Erhebliche Sorgen
Merckles müssen für Heidelberg Cement büßen

Die deutsche Baustoffgruppe zahlte während der Hochkonjunktur für die Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson zu viel. Jetzt leidet Heidelberg unter der drückenden Schuldenlast von 12 Milliarden Euro. Der Mehrheitsaktionär - die Merckle-Familie – muss mit eigenen Kreditsorgen fertigwerden. Die Banken zeigen sich vielleicht entgegenkommend, aber wie es scheint, wird die Familie ihre Kontrollmehrheit verlieren.
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Billige Kredite haben einen hohen Preis. Fragen Sie nur Heidelberg Cement und die Familie Merckle, die mit 80 Prozent an dem deutschen Konzern beteiligt ist. Auf dem Konjunkturgipfel im Jahr 2007 zahlte Heidelberg viel zu viel für die britische Baustoffgruppe Hanson, selbst wenn man die Kosten an der Messlatte des überschäumenden Kreditbooms misst. Jetzt stöhnt Heidelberg unter der Last von 12 Milliarden Euro Schulden - die Aktien des Konzerns haben lediglich einen Marktwert von 3,2 Milliarden Euro - und dem Merckle-Imperium droht der Verlust seines Kronjuwels.

Vielleicht hätten die Käufer zweimal nachdenken sollen, bevor sie sich entschlossen, die Reste des Hansonkonzerns zu übernehmen. Das Konglomerat galt lange als Synonym für Konzernbildung und Financial Engineering der 80er Jahre, die anschließende Entzerrung ging auf Kosten der Aktionäre. Aber wie dem auch sei, die Finanzierung der Hanson-Akquisition lähmt Heidelberg. Der Zementhersteller muss in den nächsten zwei Jahren rund 7 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Der freie Cashflow des Jahres 2008 von rund 400 Millionen Euro reicht nicht einmal annähernd, um diese Lücke zu schließen, das gleiche gilt für eine noch unausgenutzte Kreditlinie in Höhe von einer Milliarde Euro. Nach Angaben von Standard & Poor?s könnte Heidelberg schon im Juli gezwungen sein, seine Kreditverpflichtungen zu brechen.

Heidelberg bleiben nur wenige Möglichkeiten. Die Aktionäre kann der Konzern nicht um die Bereitstellung zusätzlichen Kapitals bitten, da die Familie, die die Kontrollmehrheit besitzt, selbst in der Kreditklemme steckt. Ihr Oberhaupt, Adolf Merckle, beging Anfang des Jahres Selbstmord, nachdem er sich mit Volkswagen-Aktien verspekulierte und auf einem Berg von Schulden sitzenblieb. Die VEM-Holding, ein Investment-Vehikel der Familie, soll angeblich selbst mit der Rückzahlung von 5 Milliarden Euro Bankschulden zu kämpfen haben.

Die Rentenmärkte sind Heidelberg de facto ebenfalls verschlossen. Der Konzern liegt mit einem B-minus-Rating auf Junk-Bond-Niveau. Ein Verkauf von Vermögenswerten ist möglich, allerdings sind die Zeiten nicht gerade günstig, um Zementaktivitäten oder andere Baugeschäfte zu veräußern.

Ein Zusammenbruch des Unternehmens ist allerdings unwahrscheinlich. Dafür gilt der Konzern wohl in Deutschland als zu groß. Es heißt, die Hauptfinanzierer Deutsche Bank und Royal Bank of Scotland seien bereit, auf Forderungen zu verzichten und Laufzeiten zu verlängern, wenn Heidelberg im Gegenzug höhere Zinsen akzeptiert. Die Gläubiger von lebensfähigen Unternehmen versuchen Abschreibungen zu vermeiden, die ein Tausch Kredit gegen Aktien mit sich bringt.

Heidelberg wirbt aktiv um neue Aktionäre, um seine Schuldenlast zu verringern. Steigen Neuaktionäre ein, verliert die Beteiligung der Merckle-Familie an Wert. Aber vielleicht erweist sich Hanson für den nächsten Heidelberg-Käufer schließlich doch noch als Schnäppchen.

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