Erstemission
Einfach spanisch

La Caixa will wieder an die guten, alten Zeiten großer Erstemissionen in Europa anknüpfen und bringt zwanzig Prozent ihres Investment-Vehikels Criteria an die Börse. Die drittgrößte Bank Spaniens will den erhofften Erlös von vier Mrd. Euro für Akquisitionen im Bereich Finanzdienstleistungen verwenden.

Mehr als 70 Prozent der Vermögenswerte von Criteria setzen sich aus Beteiligungen an vier spanischen Standardwerten zusammen: Gas Natural, Repsol, Telefonica und Abertis. Caixa will das Portfolio nun ausbalancieren, indem sie sich bei Banken oder Versicherungen, besonders im Ausland, engagiert.

Caixa unternimmt den IPO in der Hoffnung, ein börsennotiertes Vehikel werde die Bedenken über ihre höchst politisch motivierte Struktur - ein Charakteristikum spanischer Sparkassen - zerstreuen. Auch die spanische Notenbank hat die "Caixas" des Landes schon gedrängt, an die Börse zu gehen, und sei es auch nur, um ihnen ein wenig Marktdisziplin zu verschaffen.

Nach Angaben der Bank sei das Interesse an der Zeichnung groß, die Zuteilung von 55 Prozent der Aktien an Privatanleger sei 2,6-fach überzeichnet. Auch die Mitarbeiter, für die fünf Prozent der Aktien reserviert sind, seien enthusiastisch. Aber die Nachfrage scheint hinter der für andere spanische IPOs der jüngsten Zeit zurückzubleiben - ein Zeichen für die Vorsicht, die unter den Anlegern derzeit herrscht.

Caixa braucht Investoren, aber brauchen die Investoren Caixa? Die Aktionäre bekommen ja nicht einmal ein Stück der Bank selbst - die zugesichert hat, die Mehrheit an Criteria zu behalten. Den IPO zu zeichnen, bedeutet deshalb vor allem, auf die Investment-Expertise von Caixa zu setzen. Bis jetzt hat die Bank darin auch gut abgeschnitten, unterstützt von der Stärke der spanischen Wirtschaft. Das Wachstum des Landes wird im kommenden Jahr vermutlich stagnieren. Aber Criteria ist nicht im Bau- oder Immobiliensektor engagiert, die davon am härtesten getroffen werden könnten. Aktien von Criteria zu kaufen, ist gleichbedeutend mit einer Investition in ein konservatives Portfolio. Einen leichten Hauch von Abenteuer steuern noch die Pläne für eine internationale Expansion bei, mit der Caixa Neuland beträte.

Caixa hat vorläufig eine Spanne von 5,00 bis 6,75 Euro je Aktie festgesetzt. Wird die Obergrenze erreicht, würde Criteria mit etwas über 22 Mrd. Euro bewertet. Im mittleren Spektrum wären es nur noch 19 Mrd. Euro. Der Nettovermögenswert liegt bei über 24 Mrd. Euro. Den Aktionären wird also zumindest ein Abschlag gegenüber dem Nettovermögenswert angeboten - eine Entschädigung dafür, dass sie Minderheitsaktionäre einer Unternehmung sind, die selbst in Minderheitsbeteiligungen investiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%