Erwähnen Sie bitte nicht die Nachkriegszeit: Rezession: Ein Sinn für Verhältnismäßigkeit

Erwähnen Sie bitte nicht die Nachkriegszeit
Rezession: Ein Sinn für Verhältnismäßigkeit

„Dies ist die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagen zu viele Experten. In gewissem Sinn ist das wahr, doch es ist auch äußerst irreführend, weil die Welt heute so viel reicher ist als während vergangener Rezessionen. Ein Wohlstandsrückgang ist weit weniger schmerzhaft, wenn er von einem hohen Niveau aus beginnt.

"Dies ist die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg", sagen zu viele Experten. Eine britische Zeitung hämmerte es ihren Lesern ein, indem sie ihr Titelblatt mit einem grobkörnigen Bild des ausgebombten London garnierte. Es ist in Ordnung, wenn man schwarz sieht, doch derartige Vergleiche sind äußerst irreführend.

Sicher, das Bruttoinlandsprodukt könnte dieses Jahr in den meisten reichen Ländern ohne weiteres um zwei Prozent oder mehr zurückgehen. Wenn es wirklich schlecht läuft, könnte die gesamte Wirtschaftsleistung am Tiefpunkt der Rezession zehn Prozent niedriger sein. Doch sogar dann läge das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt in den meisten reichen Ländern etwa auf dem Niveau des Jahres 2000, was keineswegs eine Zeit bitterer Armut war.

Relativ betrachtet stürzte die Wirtschaft tatsächlich ab, nachdem die Pleite von Lehman Brothers das Kreditwesen und das finanzielle Vertrauen zerstört hatte. Absolut gesehen endete der Sturz allerdings auf einer blühenden Wiese, die noch immer gespickt ist mit Konsumannehmlichkeiten, Gesundheitsfürsorge und Reiseplänen, die in Aufschwungjahren der 1950er wundervoll gewirkt hätten und in einem Aufschwungjahr aus den 1990ern noch immer beeindruckend gewesen wären.

Jemand, dessen Nettovermögen von 100 Mio. auf zehn Millionen US-Dollar sinkt, könnte zwei Polopferde und zwei seiner drei Luxusferienhäuser verkaufen müssen. Er könnte sich am Boden zerstört fühlen, weil der Verlust an sozialem Status schwer zu ertragen ist, oder weil seine Wertschätzung für den Polosport tief und bedeutsam ist. Trotzdem würden seine verbleibenden Millionen die Anteilnahme für das polobedingte Loch in seinem Leben begrenzen.

Mit der Misere der reichen Länder in der aktuellen Rezession sollte es nicht anders sein. Der Konsumrückgang wird belanglos bleiben. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit wird für die Betroffenen hart sein, doch neue Stellen werden sich zu gegebener Zeit finden, und Sozialleistungen werden die Schmerzen lindern. Die Sicherheitsnetze wurden seit dem Krieg weit aufgespannt.

Glücklicherweise gibt es keine Anzeichen für irgendetwas Ähnliches wie die weit verbreitete Obdachlosigkeit, den Hunger, das Elend und die Angst, die während der Großen Depression in den USA und in den Nachkriegsjahren in großen Teilen Europas herrschten. Wir leben vielleicht nicht in den besten Zeiten, aber wir sollten nicht so tun, als kämen sie auch nur annähernd den schlimmsten Zeiten nahe.

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