EU-Banken
EU-Banken: Warten auf die Kommission

Die Europäische Kommission will noch ein Wörtchen mitreden, bevor sie die Bankenhilfsprogramme absegnet. Die 30 betroffenen Banken könnten Brüssel dazu auffordern, Farbe zu bekennen. Das aber birgt erhebliche Risiken. Eine proaktive, schnelle Lösung dürfte eher im Sinne der Anleger sein.
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Die europäischen Banken spielen um hohe Einsätze. Nicht weniger als 30 verlangen die Absegnung der staatlichen Bankenrettung durch die Europäische Kommission. Brüssel wird sein OK aber nur geben, wenn auch die Banken Opfer bringen - sich also im Wesentlichen von Vermögenswerten trennen. Die Bankenchefs brauchen die Zustimmung, wollen die Einschnitte aber minimieren.

Jede Bank, die staatliche Hilfen in Anspruch nahm, muss einen Umstrukturierungsplan vorlegen, aus dem hervorgeht, dass sie keine Wettbewerbsvorteile aus den Stützungsprogrammen zieht und wie sie in Zukunft vermeiden wird, den Steuerzahler erneut um Finanzhilfen bitten zu müssen. Zwei große Präzedenzfälle gibt es bereits. Die Commerzbank erhielt die Zustimmung, durch das Versprechen, sich von ihrer Eurohypo Hypothekenbank-Tochter zu trennen und mindestens drei Jahre lang keine neue Akquisition zu tätigen. Die belgisch-französische Dexia fiel dagegen durch, weil sie Brüssel nicht davon überzeugen konnte, ein sicherer Kandidat zu sein.

ING hat darauf reagiert. Der holländische Finanzdienstleister hat demonstrativ angekündigt, sich selbst in zwei Hälften aufspalten und seinen Versicherungsarm verkaufen zu wollen. Ein proaktives Angebot, das über die Forderungen der Kommission hinausgeht, erhöht die Chance auf ein leichtes Spiel. Dabei dürfte ING bei diesem Vorschlag gar kein Opfer sein. Der Split könnte zur Wertsteigerung führen und ist auch strategisch sinnvoll.

Lloyds Banking Group befindet sich in einer schwierigeren Situation. Die Kommission verlangt, dass die Bank ihren Anteil am britischen Privatkontenmarkt von 30 auf 20 Prozent verringert. Das aber dürfte die Trennung von Halifax bedeuten - der jüngst übernommenen führenden britischen Hypothekenbank, die im Mittelpunkt der Lloyd?schen Gesundungsstrategie steht.

Lloyds dürfte also eher versucht sein, es auf eine Konfrontation ankommen zu lassen. Ihr Angebot besteht darin, Cheltenham & Gloucester, eine kleinere Hypothekenbank, und einige schottische Filialen zu verkaufen und damit vier Prozent ihres Marktanteils zu kappen. Mit Unterstützung der britischen Regierung und nach dem Abschied von Neelie Kroes, der strengen Wettbewerbskommissarin, im Dezember hofft Lloyds damit in Brüssel durchzukommen.

Aber der potenzielle Rebell muss vorsichtig sein. Brüssel zu verärgern ist gefährlich und ein neues Untersuchungsverfahren - wenn bis Oktober keine Einigung erzielt ist - könnte sich über bis zu 18 Monate hinziehen. Die Unsicherheit dürfte sich auf den Aktienkurs niederschlagen. Genauso riskant ist es, sich auf das Wohlwollen von Politkern zu verlassen. Der neue Wettbewerbskommissar könnte sich als noch strenger erweisen und die oppositionelle Partei der britischen Konservativen hat bereits versprochen, eine Untersuchung der Lloyd?schen Wettbewerbssituation vorzunehmen, wenn sie bei den britischen Parlamentswahlen im nächsten Jahr ans Ruder kommt. Eine schnelle Lösung könnte sich also als die klügere erweisen.

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