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Eurazeo/Wendel: Wertsuchern fällt die Praxis schwerer als die Theorie

Zeit zu schweigen: Wendel und Eurazeo haben Übung darin, hochnäsige Lektionen über die Schöpfung von Aktionärswert zu erteilen. Die Fonds der beiden börsennotierten französischen Investmentfirmen haben allerdings in einem Jahr fast drei Viertel ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt, und der Wendel-Chef wurde gerade erst gefeuert. Aktive Investoren müssen ihren Ansatz überdenken.

von Pierre Briançon (breakingviews.com)

Man könnte es eine Demütigung der Aktionärswert-Professoren nennen. Investoren wie Wendel und Eurazeo, zwei französische Fonds, haben Unternehmen lange unter Druck gesetzt und darüber belehrt, wie man Aktionärswerte erzeugt: durch Fremdfinanzierung, Veräußerungen und Kostensenkungen. Es hat aber seine Nachteile, an der Börse notiert zu sein. Heute müssen beide Firmen akzeptieren, dass sie nach den Standards beurteilt werden, die sie lange Zeit auf andere anwendeten. Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert sterben.

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Wendel-Chef Jean-Bernard Lafonta wurde die Tür gewiesen, nachdem eine 5,5-Milliarden-Euro-Investition beim Baustoffproduzenten Saint-Gobain einen Papierverlust von fast vier Milliarden Euro einbrachte. Nach monatelanger Diskussion entschied die das Unternehmen kontrollierende Familie, Nachkommen einer Stahldynastie aus dem 18. Jahrhundert, dass sie es nicht länger lustig finden. Wendel-Aktien fielen dieses Jahr um 40 Prozent, nachdem sie letztes Jahr schon 60 Prozent verloren hatten. Die Marktkapitalisierung beträgt wenig mehr als eine Milliarde Euro, damit wird die Firma mit etwa zehn Prozent des Nettovermögenswertes gehandelt. Das Rating für langfristige Verbindlichkeiten wurde im letzten Monat von Standard & Poor´s auf "BB" gestutzt und mit einem negativen Ausblick versehen. Wer spricht da noch von Wertsteigerung...

Die Aktien des langjährigen französischen Wendel-Rivalen befinden sich auf einer ähnlichen Rutschbahn, doch immerhin bewegt man noch etwas. Eurazeo beteiligte sich am jüngsten Umsturz bei der Hotelgruppe Accor, an der man zehn Prozent der Anteile hält. Die Umstürzler erklärten, dass die Accor-Führungsstruktur mit einem nicht das Geschäft leitenden Verwaltungsratsvorsitzenden und einem zu großen Verwaltungsrat mangelhaft sei. Doch auch der Verwaltungsratsvorsitzende von Eurazeo führt nicht das laufende Geschäft, und der Aufsichtsrat der Firma hat 15 Mitglieder. Vielleicht sollte mal jemand die Firma einer Behandlung durch Aktionärs-Aktivisten zuführen.

Nachdem man sich etwas mit privatem Beteiligungskapital versucht hatte, betonten beide Fonds in den letzten Monaten, dass sie langfristige Investoren seien, die nicht aufgrund der kurzfristigen Wertentwicklung beurteilt werden sollten. In diesem Fall sollten sie erklären, warum ihre Aktien deutlich schlechter abschnitten als der französische Aktienindex CAC40, nicht nur im letzten Jahr, sondern auch über die letzten zwei und drei Jahre. Ein solcher Vortrag wäre zweifellos wertvoll.

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