Europäische Autoproduzenten
Gefährlicher Straßenverkehr

Peugeot ist mit guten Ergebnissen in die Berichtssaison gestartet, aber die Anleger sind vorsichtig. Die Nachfrage sinkt. Die Franzosen stehen vor strategischen Herausforderungen und in Deutschland bereitet der schwache Dollar Sorgen. Kein Wunder, dass die Aktien der europäischen Autoproduzenten unter Druck gerieten.

Peugeot, Renault und Daimler müssen in dieser Woche skeptischen Investoren gegenübertreten. Die Aktien aller drei Autoproduzenten liegen im Minus – der Dow Jones Euro Stoxx Automobiles & Parts Index hat in den vergangenen drei Monaten 30 Prozent verloren. Auch wenn es so aussieht, als ob die drei Unternehmen ihre gesetzten Ziele erreichen konnten, ist der weitere Weg steinig. Den Aktien könnten weitere Verluste bevorstehen.

Am Mittwoch legte Peugeot überzeugende Ergebnisse für das abgelaufene Jahr 2007 vor, auch wenn der fast fünffache Anstieg des Nettogewinns auf 885 Millionen Euro durch ein extrem schwaches Vorjahr beschönigt wird. Christian Streiff, Vorstandsvorsitzender des französischen Konzerns, kündigte für das nächste Jahr neue Produkte und Kostensenkungen an, die zu einer Erhöhung der Gewinnmargen beitragen sollen.

Aber Streiff sagte auch, er rechne mit fallenden Verkaufszahlen in Europa in diesem Jahr und nachlassendem Wachstum in Osteuropa, China und Russland. Dabei malte er eine lange Liste von bevorstehenden Herausforderungen an die Wand: starker Euro, steigende Stahl- und Energiepreise und Aussichten auf starre Emissionsgebühren. Alles in allem sei also damit zu rechnen, dass die Verbraucher auf kleinere Autos umstiegen, die in der Regel geringere Gewinnspannen erwirtschafteten.

Die Autobosse wandern auf einem Grat zwischen naivem Optimismus und extremem Pessimismus. Daimlers Dieter Zetsche hat dabei den leichtesten Job. Er will die Gewinnspanne von Mercedes bis 2010 um moderate zehn Prozent anheben. Jetzt, nachdem der Verlustbringer Chrysler Geschichte ist und die Umsatzrenditen bei Mercedes schon fast neun Prozent erreicht haben, drängen Anleger darauf, die höhere Gewinnmarge schon bis 2009 zu realisieren.

Die französischen Autounternehmen haben schwierigeres Terrain zu beackern. Obwohl sie durch ihr geringeres US-Geschäft weniger unter dem schwachen Dollar leider, müssen Peugeot und Renault Modellwandel und Umstrukturierungen bewältigen. Sie müssen beweisen, dass sie Kosten sparen und gleichzeitig den Verlust von Marktanteilen stoppen können. Streiff hat sich bisher gut gehalten – Peugeot-Aktien konnten Mittwochmorgen um fünf Prozent zulegen. Von Renaults Carlos Ghosn erwartet man, dass er am Donnerstag ebenfalls die frohe Botschaft verkünden wird, die angekündigten Ziele übertroffen zu haben.

Aber im Verlauf des Jahres ist mit weniger guten Nachrichten zu rechnen. Anleger werden also vorsichtig bleiben, auch wenn die europäische Autobranche zurzeit für knapp unter dem Siebenfachen ihrer erwarteten Gewinne für 2009 gehandelt wird, wie Oddo Securities errechneten. Das erscheint zwar günstig, aber die Talsohle könnte noch tiefer liegen: 2003 fielen Autoaktien bis auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von fünf. Vielleicht müssen sie wieder so billig werden, bevor sie wirklich als Schnäppchen wahrgenommen werden.

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