Europäische Banken
Es gibt kein Zurück

Die BNP hat mit einer reibungslosen Bezugsrechtsemission ihre Staatsfesseln abgestreift. Weitere Banken in Frankreich könnten ihrem Beispiel folgen. Doch die Empfänger von Staatshilfen in Deutschland, Irland, Großbritannien und der Schweiz sind davon noch ein weites Stück entfernt. Die staatliche Einmischung bei europäischen Banken ist noch lange nicht vorüber.
  • 0

Stellt schon mal den Schampus kalt! Die lockere Bezugsrechtsemission von BNP Paribas über 4,3 Mrd. Euro, mit der die französische Bank Regierungshilfen zurückzahlen will, könnte wie der Anfang des Endes der staatlichen Intervention auf dem europäischen Bankensektor erscheinen. Leider ist die Befreiung nur dem französischen Kreditinstitut und seinen inländischen Branchenkollegen vorbehalten.

Optimistische Konsortialbanken hatten die BNP davon überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen wäre, um die Aktionäre anzuzapfen. Doch der Hauptvorteil der Bank war, dass die 5,1 Mrd. Euro umfassenden staatlichen Beihilfen nur neun Prozent ihrer Marktkapitalisierung ausmachten. Ihre Konkurrenten Société Générale und Credit Agricole müssten Mittel in einem ähnlichen Verhältnis einsammeln, um die Regierungsgelder zurückzuzahlen, die sie Anfang des Jahres erhalten hatten. Aber außerhalb Frankreichs wird die Lage schon schwieriger.

Die Commerzbank ist am schlimmsten dran. Um die Bundesregierung auszubezahlen, müsste die Bank 18,2 Mrd. Euro beschaffen - fast das Doppelte ihres Marktwerts.

In Großbritannien müssten die Lloyds Banking Group und die Royal Bank of Scotland nach den gigantischen Rettungsmaßnahmen der britischen Regierung ein wenig mehr als ihre Marktkapitalisierungen aufbringen, um sich der Notinvestitionen des Staates zu entledigen. Sicher, ein Großteil der Staatsbeteiligung besteht aus geplanten B-Aktien, die als Prämie für die Versicherung von toxischen Vermögenswerten über 585 Mrd. Pfund Sterling emittiert werden sollen. Aber wenn sie aus dem Programm ausscheren wollten, müssten die Banken ohnehin den gleichen Betrag auf eigene Faust besorgen.

Genau so unglückselig präsentieren sich die irischen Banken. Auch wenn sie jeweils nur staatliche Vorzugsaktien über 3,5 Mrd. Euro erhalten haben, müssten auch die Allied Irish Banks und die Bank of Ireland mehr als ihre derzeitigen Marktkapitalisierungen aufbringen, um die staatliche Unterstützung zurückzuzahlen.

Natürlich stehen den Instituten auch noch andere Optionen offen, als ihre eigenen Aktionäre um Geld anzugehen. Sie könnten etwa Geschäftsbereiche abstoßen - doch dies ist kaum ein Markt für Verkäufer.

Etwas positiver ist es um die Banken in den Niederlanden und der Schweiz bestellt. Der schweizerische Bankengigant UBS hat im August direkte staatliche Beihilfen über sechs Mrd. sfr abbezahlt und bereitet sich darauf vor, sich einen Teil der Vermögenswerte über 38,6 Mrd. Dollar, die an die schweizerische Bad Bank verkauft wurden, zurückzuholen. Die niederländische ING müsste etwa zwei Drittel ihres Marktwerts beschaffen, um Vorzugsaktien über zehn Mrd. Euro zum vorgeschriebenen Aufschlag von 50 Prozent abzulösen.

Es ist recht unwahrscheinlich, dass sich irgendeine Bank außerhalb Frankreichs in nächster Zukunft aus der staatlichen Umklammerung lösen kann - und sicher nicht so mühelos wie die BNP. Jeder der von Champagner zur Feier der Befreiung träumt, wird ihn wohl nur in Paris vorfinden.

Kommentare zu " Europäische Banken: Es gibt kein Zurück"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%