Europäische Banken
Europäer sollten nicht auf Paulsons Rettung zählen

Die Aktien von Barclays, Deutsche Bank, RBS und UBS wurden gestützt durch die Aussicht, dass die Banken an einem 700-Milliarden-Dollar-Geldtopf teilhaben könnten. Was der Kongress am Ende beschließt, könnte aber auch einige weniger verlockende Elemente beinhalten, so etwa Beschränkungen der Vorstandsbezüge oder Beteiligungen für die US-Regierung.

Die erste Version von Hank Paulsons 700 Milliarden US-Dollar schwerem Notaufkaufprogramm erschien wie ein Segen für europäische Banken, die sich im Sumpf der US-Hypotheken gesuhlt haben. Der Plan des US-Finanzministers sah offenbar nicht nur vor, dass Not leidende Vermögenswerte zu einem Aufschlag auf den Marktpreis aufgekauft werden, er war auch offen für ausländische Banken mit großem US-Geschäft. Kein Wunder, dass die Aktien von Barclays, Deutsche Bank, RBS und UBS, die alle bedeutende Marktakteure sind, nach oben schossen. Doch der Plan, der am Ende aus dem politischen Ringen in Washington hervorgeht, könnte weit weniger reizvoll sein - wenn die europäischen Banken dabei überhaupt noch berücksichtigt werden.

Man nehme zum Beispiel die Idee einer Begrenzung der Bezüge von Bankenchefs, deren Insititute an den Notaufkäufen teilnehmen. Das ist nicht länger eine linke Spinnerei. Sogar Paulson, ein früherer Goldman-Sachs-Chef, musste anerkennen, dass die Amerikaner "berechtigterweise" wütend über die Vorstandsbezüge sind, und das dies bei der Gesetzgebung berücksichtigt werden muss. Unterdessen sagte der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain, dass kein an dem Rettungsplan beteiligter Vorstand mehr verdienen sollte als das am besten bezahlte Mitglied der US-Regierung. Das dürfte keine Musik sein in den Ohren beispielsweise von Bob Diamond, dem Chef von Barclays Capital, der im letzten Jahr 21 Millionen britische Pfund verdiente.

Nun betrachte man die Idee, dass die US-Regierung Anteile erhalten soll an jenen Banken, denen man mit den Notaufkäufen hilft. Der Ruf danach wird lauter. Barney Frank, der demokratische Vorsitzende des Finanzmarktausschusses des Repräsentantenhauses, sagte, Paulson "akzeptiert die Tatsache", dass dies geschehen wird. US-Banken könnten es ertragen, wenn der US-Staat in ihrem Aktionärsregister vertreten ist. Doch wie akzeptabel wäre dies für europäische Institute?

Nun, sicherlich müssen die Einzelheiten des Plans noch konkretisiert werden. Und die Europäer könnten einen Weg finden, ihre vergifteten Vermögenswerte auf US-Partner zu übertragen, die diese dann an den US-Staat weiterleiten. Es könnte aber Wege geben, auch dies zu verhindern - etwa indem man darauf besteht, dass nur in der letzten Woche bereits in der Bilanz aufgeführte Vermögenswerte berücksichtigt werden. Die Europäer sollten nicht zu sehr darauf zählen, dass Paulsons Großzügigkeit bis zu ihnen durchdringt.

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