Europäische Wirtschaft
Eurozone ist im Abschwung vereint

Sicher, Deutschlands Wirtschaft wächst im ersten Quartal fünfmal schneller als die Wirtschaft Spaniens. Doch die deutschen Verbraucher sind verunsichert. Unterschiedliche Entwicklungen in der Eurozone werden einem gemeinsamen Abschwung weichen. Der starke Euro und die hohen Öl- und Lebensmittelpreise lasten auf dem Export und mindern die verfügbaren Einkommen.

Im ersten Quartal wuchs Deutschlands Wirtschaft fünfmal schneller als die Wirtschaft Spaniens. Obwohl grundlegende Unterschiede bestehen bleiben könnten, sind die kurzfristigen Aussichten für das produktive, mit niedrigen Kosten gesegnete Deutschland nicht so verschieden von den Perspektiven Spaniens, das sich in einer Nach-Blasen-Phase befindet. Die gesamte Eurozone rückt enger zusammen zu einem sich langsam bewegenden Haufen.

Das deutsche Quartalswachstum von 1,5 Prozent entspricht einer herausragenden Jahresrate von plus sechs Prozent, doch es war ein statistisches Strohfeuer. Fast die Hälfte des Wachstums geht auf einen Anstieg der Lagerbestände zurück, ein weiteres Viertel verdankt sich dem Bausektor, der vom warmen Winterwetter profitierte. Der deutsche Verbraucher dagegen war geschwächt - der Konsum wuchs im Quartal nur um 0,3 Prozent. Damit ändert sich kaum das Bild des Vorjahres, als die deutschen Konsumausgaben in jedem Quartal gegenüber dem Vorjahreswert sanken.

Die Deutschen leiden unter der Inflation. Steigende Lebensmittel- und Energiepreise fordern ihren Tribut. Doch die schwache US-Wirtschaft und der starke Euro beginnen, auch die Quellen des Wachstums auszutrocknen: Die Investitionen und Maschinenexporte in schnell wachsende Länder Osteuropas und in Asien. Deutschlands Exporte stiegen im ersten Quartal weniger als die Importe. Europas großer Motor wird abgewürgt.

Die anderen Volkswirtschaften der Eurozone stimmen in den Jammerchor ein. Der RBS/NTC-Composite-Index, monatlich erstellt durch Befragungen bei Industrie und Dienstleistern in der gesamten Eurozone, fiel im Mai auf den tiefsten Stand seit Juli 2003. Fallende Häusermärkte wirken für Spanien wie ein Hammerschlag, in Irland ist die Lage ernst, in Frankreich gibt sie Anlass zur Sorge. Die Anzahl der Baubeginne ging in Frankreich deutlich zurück, die Stimmung in der Wirtschaft erreichte dort den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Italiens Wirtschaft wuchs im letzten Jahr um nur 0,2 Prozent.

Die Europäische Zentralbank hält sich an ihre Aufgabe, indem sie die Inflation bekämpft und nicht den wirtschaftlichen Abschwung. Die Inflation fiel in der Eurozone auf 3,3 Prozent im April, doch sie liegt noch immer weit über der EZB-Zielmarke von unter zwei Prozent. "Bei einem Ölpreis über 130 US-Dollar wäre es verfrüht, Entwarnung zu geben", sagte EBZ-Ratsmitglied Klaus Liebscher. Solange die Ölhausse nicht gezähmt wird, scheint Europas Weg zum Wachstum blockiert.

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