Eurozone-Ausblick
Nach dir, Globus

Die Eurozone erholt sich von der Rezession, vor allem dank der deutschen Exporte. Der Wachstumsrückgang in der Region fiel zweimal so stark aus wie in den USA. Aber immer noch scheint das Wachstum in Europa von fernen Konsumenten in anderen Erdteilen abzuhängen. Der deutsche Finanzminister könnte Recht haben, wenn er Steuersenkungen als eine Chance sieht, wieder nach vorn zu kommen.
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Die Eurozone kommt langsam wieder in Gang. Vorneweg Deutschland. Aber Deutschland oder die breitere Eurozone jetzt schon als stark zu bezeichnen, wäre falsch. Der Großteil der Region, wenn auch vielleicht nicht gerade Spanien oder Griechenland, hat gerade erst den ersten Gang eingelegt. Der Mut, gleich in den zweiten zu schalten, scheint noch zu fehlen. Stattdessen sucht die Eurozone eher nach einem Abschleppseil, an dem sie sich von der stärkeren Weltwirtschaft ins Schlepptau nehmen lassen kann.

Denn es ist eher der Welthandel, der den Kontinent antreibt, als der europäische Konsum. Der starke Exportmotor Deutschland wuchs im dritten Quartal um 0,7 Prozent, nach 0,4 Prozent im zweiten. Auch das statistische Bundesamt nannte "vor allem die Exporte" als Grund für das anziehende Wachstum. Die deutschen Verbraucher dagegen gaben weniger aus.

Aber immerhin reichte das moderate, exportgetriebene Wachstum, um Deutschland innerhalb der Eurozone ganz nach vorne zu bringen. Frankreich schaffte es gerade so, der Rezession zu entkommen und wieder einen Zuwachs um 0,3 Prozent zu erreichen, in Italien waren es ruckartige 0,6 Prozent. Spanien, wo die immer noch fallenden Immobilienpreise belasten, und Griechenland haben es dagegen noch nicht geschafft, wieder in den Plusbereich zu drehen. Nach fünf Kontraktionsquartalen, die zu einem prozentual doppelt so starken Wachstumsrückgang wie in den USA führten, wuchs die Eurozone nun auch nur halb so stark wie die USA.

Wodurch aber wird Euroland gebremst? Die ausgabefreudigsten Konsumenten waren Spanien, Irland und Griechenland, aber sie stecken jetzt am tiefsten in der Krise. Die größte Volkswirtschaft der Region, Deutschland, leidet schon lange unter der Zurückhaltung ihrer Verbraucher. Ihre Ausgabenmüdigkeit wird sich wohl so schnell auch nicht wandeln. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland wäre ohne die Wirtschaftsanreize der Regierung stärker angestiegen. Nimmt sie nun zu, dürften die Konsumenten vorsichtig bleiben. Kredite sind knapp. Und der starke Euro ist ein ernsthaftes Problem. Je fester die Währung, desto weniger eignet sie sich zum Exportmotor.

Wolfgang Schäuble, der neue deutsche Finanzminister, will nun die Steuern senken, um die Wirtschaft anzutreiben. Aber die vorsichtigen Deutschen sind misstrauisch. Sie fühlen sich mit einem Haushaltsdefizit, das in diesem Jahr 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen könnte, unwohl. Trotzdem könnte Schäuble richtig liegen. Die deutschen Konsumenten müssen stärker zum Wachstum ihres Landes beitragen. In einer idealen Welt müssten sie darüber hinaus auch der Weltwirtschaft noch Impulse geben.

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