Eurozone
Der feste Anker bremst die Fahrt

Die Europäische Zentralbank hatte Recht, die Zinsen in diesem Monat unverändert zu belassen. Da die Inflation fast doppelt so hoch ist wie von der Notenbank angestrebt, hatte sie keine große Wahl. Aber der Preis wird in Form eines stärkeren Euro und eines niedrigeren Wachstums gezahlt – besonders in Spanien und Italien. Das Euroschiff wird einem Test unterzogen.

Der Sturm wirft zwar beide herum, aber sie verfolgen einen unterschiedlichen Kurs. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Zinsen bei unverändert vier Prozent belassen. Dagegen hat die Bank of England die Leitzinsen um einen weiteren Viertelpunkt auf fünf Prozent zurückgenommen hat - dies ist ihre dritte Zinssenkung in diesem Jahr. Die “feste Verankerung” wird zum Motto des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet. Aber die Eurozone verliert in einem Finanzsturm, der keine Anzeichen des Abflauens zeigt, gefährlich an Fahrt. Die Schwierigkeit für die Währungshüter: Während die Teuerung die Eurozone als Gesamtregion in Mitleidenschaft zieht, bräuchte der Süden eigentlich schon eine Zinssenkung, während das Wachstum im Norden solider ist. Es wird schwer werden, das Euroschiff zusammenzuhalten.

Die jüngsten Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Eurozone wurden für 2008 auf gerade einmal 1,4 Prozent und für 2009 auf 1,2 Prozent gesenkt – das ist schlechter als die kräftig verringerte Vorhersage des IWF über einen Zuwachs um 1,6 Prozent für Großbritannien. Italien, das laut Prognose nur um 0,3 Prozent zulegen dürfte, befindet sich schon am Rand einer Rezession. Die spanische Wachstumsrate wird sich vermutlich halbieren. Den spanischen Banken sagt man Schwierigkeiten nach. Der Süden braucht schon bald Zinssenkungen.

Aber die EZB, wie Trichet immer wieder betont, muss sich vorerst auf die Inflation konzentrieren, die mit 3,5 Prozent um einen Prozentpunkt über der Teuerung von Großbritannien liegt und fast das Doppelte des EZB-Inflationsziels von “knapp unter zwei Prozent” beträgt. Der starke Euro hätte eigentlich dazu beitragen sollen, die Inflation einzudämmen, indem er die Kosten für auf Dollar lautende Waren verringert. Aber da die EZB an den Zinsen festhält, während die USA und Großbritannien sie kürzen, beeinträchtigt der steigende Euro bereits die Exporte und das Wachstum. Und es besteht eine weitere Gefahr: Wenn die europäische Währung schließlich nachgibt, werden die Importpreise in Europa klettern und dadurch die Gefahr heraufbeschwören, dass Trichets inflationärer „Buckel“ zu einem lang anhaltenden Problem wird.

Und selbst während sie die Zinsen beibehält, greift die EZB den Banken unter die Arme. Die Interbanken-Sätze bleiben hoch. Die Kredit-Verwerfungen dauern an. Die Kreditkrise stellt sich als der erste bedeutende Test für die Geldpolitik der Eurozone heraus, bei der eine Größe allen passen muss. Können Spanien und Italien, die traditionell an Teuerung und Abwertung gewöhnt sind, mit hohen Zinsen und einer starken Währung umgehen? Während Trichet den Anker setzt, könnten sie zunehmend der Seekrankheit erliegen.

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