Expansion mit Starthilfe
Dritter Versuch der Fortis-Zerschlagung

Nach zwei gescheiterten Anläufen versucht die belgische Regierung erneut, Fortis an BNP Paribas zu verkaufen. Die Aktionäre der belgischen Bank bekommen ein freundlicheres Angebot, die französische Bank ihren Willen. Doch dieser Win-Win-Deal ist nicht vom Himmel gefallen: die belgische Regierung wird den Großteil der Zusatzkosten tragen.
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Wie geplant wird BNP Paribas 75 Prozent der Branchensparte in Belgien und Luxemburg erhalten. Belgien wiederum besitzt am Ende etwa elf Prozent von BNP. Der reine Aktientransfer legt einen Asset-Wert von 2,8 Mrd. Euro zugrunde und liegt damit weit niedriger als im Angebot vom Oktober. Doch die BNP-Aktien sanken seither um 70 Prozent; gleichzeitig meldete Fortis für das letzte Quartal sechs Mrd. Euro Verluste.

BNP wird zukünftig nur 25 Prozent der Fortis-Versicherung kontrollieren. Zuerst bot man für eine 100-prozentige Übernahme 5,5 Mrd. Euro. Im zweiten Versuch beschränkte sich BNP zur Beruhigung der Fortis-Aktionäre auf zehn Prozent. In der dritten Runde schrumpft der BNP-Cashflow bei gleich bleibender Bewertung auf etwa eine Mrd. Euro, da die bereits zu 75 Prozent im BNP-Besitz befindliche Fortis Bank das Versicherungsgeschäft kauft.

Wichtiger ist jedoch, dass die belgische Regierung einen größeren Anteil der potentiellen Verluste trägt. Zuerst werden 11,4 Mrd. Euro der riskanteren Papiere - zwei Mrd. mehr als zuerst vorgesehen - auf einen speziellen Träger übergehen. Daran soll BNP nur zwölf Prozent übernehmen, der belgische Staat 43 Prozent. Die belgischen Steuerzahler finanzieren zudem die ersten 1,5 Mrd. Euro Verluste eines 21,5 Mrd. Euro schweren Structured Credit Portfolios, das bei der Fortis Bank verbleibt.

Nicht zuletzt verpflichtet sich Belgien, in den nächsten drei Jahren bis zu zwei Mrd. Euro in die Fortis Bank zu pumpen, sollte die Kapitalquote des Geschäftszweigs unter 9,2 Prozent fallen.

Stimmen die Anleger dem neuen Angebot zu, hat BNP sein Ziel erreicht und ist die größte Privatkundenbank der Euro-Zone. Der Dank gebührt den belgischen Steuerzahlern. Ob die sich darüber genauso freuen?

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