Pamela Reif

Expertenrat – Pamela Reif
Plötzlich „Promi“ – als Mädchen von nebenan

Als Normalo über den roten Teppich in Cannes laufen? Für „Influencer“ nicht ungewöhnlich. Junge Leute mit großer Online-Community sind bei Veranstaltern gefragt. Doch so easy, wie er aussieht, ist der Job nicht.
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Um zu den Filmfestspielen in Cannes, zur Berlinale oder zur Fashionweek eingeladen zu werden, hätte ich bis vor ein paar Jahren noch auf einem Magazin-Cover erscheinen, ein Album veröffentlichen oder bei einem Film Regie führen müssen. Oder zumindest ein großes Unternehmen hinter mir stehen haben. Inzwischen darf auch ich als „Mädchen von nebenan“ an der Côte d'Azur mit anderen Promis über den roten Teppich laufen und mich als Teil der High Society fühlen. Wie es dazu gekommen ist? Ich bin Social-Media-Influencerin.

Influencer sind weder Schauspieler noch Regisseure, sie machen keine Musik und sind keine Models. Hinter ihnen steht auch kein großer Konzern, sie beschäftigen keine Vielzahl an Mitarbeitern und sie gehören auch keinen bekannten Medienhäusern an. Und dennoch: Ihr Einfluss und Ansehen nehmen immer mehr zu. Bei Modenschauen etwa sitzen viele in den ersten Reihen.

Aber nicht nur zu Fashion-Events und Award-Shows werde ich inzwischen regelmäßig eingeladen. Auch in namhaften Modemagazinen entdecke ich mich regelmäßig selbst. Und im Rahmen von Vorträgen wie den „TEDx Talks“ durfte ich bereits über meine Social-Media-Präsenz und meinen Karriereweg sprechen. Ich habe sogar die Möglichkeit bekommen, gemeinsam mit Nikki Reed bei der Fraueninitiative „Create and Cultivate“ auf der Bühne zu stehen und von meinem Beruf zu erzählen. Noch vor einer Weile wäre das undenkbar gewesen, denn in der Regel steht dies nur bekannten Persönlichkeiten offen.

Aber ich bin nun mal nicht durch meine Schauspielkunst oder den Laufsteg bekannt geworden, sondern durch meinen Account bei Instagram, wo ich mir mittlerweile eine Community von drei Millionen Followern aufgebaut habe. Obwohl ich damit nicht unter die „klassischen“ Promis falle, möchten aufgrund meiner Social-Media-Präsenz immer mehr Veranstalter und Konzerne mit mir zusammenarbeiten.

Diese neuen Aufgaben sind auch mit neuen Herausforderungen verbunden. Wie tritt man auf, wenn die Kameras auf einen gerichtet sind? Wie stellt man sich auf dem roten Teppich überhaupt hin? Welche Posen kommen am besten rüber? Und wie führt man eigentlich ein Interview? Als Social-Media-Profi habe ich nie gelernt, was es heißt, ein „echter“ Star zu sein und wie man sich als solcher zu verhalten hat. Man wird in eine komplett neue Welt hineingeworfen – und die Öffentlichkeit erwartet einen gewissen Grad an Professionalität, auch wenn einem die Erfahrung fehlt. Doch gleichzeitig ist diese Unbekümmertheit genau das, was Influencer wie mich ausmacht und uns nicht nur bei unseren Fans, sondern auch bei großen Firmen und Veranstaltern beliebt macht. Es wirkt eben authentisch und ist erfrischend, wenn jemand in einer Talkshow sitzt, der nicht jahrelang gelernt hat, wie man Interviewfragen möglichst geschickt umgeht. Jemand, hinter dem kein großes Team steht und der nicht gesagt bekommt, wie man sich verhalten sollte.

Für Veranstalter und Firmen hat es viele Vorteile, neben prominenten Schauspielern, Musikern oder Models auch Influencer zu ihren Events einzuladen oder als Werbegesicht zu nutzen. Diese bringen nämlich Eigenschaften mit, die aus wirtschaftlicher und werbeorientierter Perspektive mittlerweile unentbehrlich sind. Durch ihren Bekanntheitsgrad im Netz haben sie eine außergewöhnlich hohe Reichweite, können ganz gezielt zu ihrer Community sprechen und dieser Produkte oder Projekte vorstellen. Als Einzelperson mehrere Millionen Personen zu erreichen ist nun mal eine ganz schöne Hausnummer. Wichtig ist auch die enge Bindung zu den Followern, mit denen man täglich interagiert und die einen Teil des eigenen Alltags miterleben können. So wird man zu einer Person zum Anfassen. Obwohl man sich nicht persönlich kennt, hat man irgendwie das Gefühl, man sei befreundet. Das Entscheidende dabei: Glaubwürdigkeit.

Manchmal fällt es mir schwer zu glauben, dass ein Normalo wie ich mit 20 Jahren und knapp drei Jahre nach dem Abitur diese Möglichkeiten bekommt – und sogar als Experte gefragt ist. Doch ich bin keine Ausnahmeerscheinung. Das Phänomen, dass sich junge Menschen mit Hilfe von Social Media etwas aufbauen und Karriere machen, wird immer verbreiteter. Beruf: Influencer. Warum auch nicht? Die Digitalisierung lässt viele neue Jobs entstehen, die es zuvor nicht gab. Es ist zwar ein Vollzeitjob, der kaum freie Tage erlaubt und riesige Herausforderungen mit sich bringt. Dafür bin ich ganz „selfmade“ – ich entscheide, was ich mache und was nicht. Und das Beste: Meine Hobbys sind mein Beruf.

Pamela Reif, 21, ist Social-Media-Influencerin, Autorin und Unternehmerin. Ihre Hobbys Fitness, Mode und Beauty hat sie zum Beruf gemacht und teilt ihre Leidenschaft täglich mit ihrer Online-Community, zum Beispiel auf Instagram.

Pamela Reif
Pamela Reif
Influencerin / Social Media

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  • Prolls schaun Prolls halt gern beim Kämmen zu.

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