Pamela Reif

Expertenrat – Pamela Reif
Was es für einen erfolgreichen Instagram-Account braucht

Auf Instagram ein Star zu werden lässt sich nicht erzwingen. Soziale Medien sind mitunter willkürlich und unberechenbar. Doch wer ein paar Dinge beachtet und Geduld mitbringt, der kann viele Follower um sich scharen.
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Sich auf Instagram eine hohe Zahl an Followern aufzubauen wird mittlerweile immer schwieriger. Ich werde oft gefragt, was der Schlüssel zum Erfolg ist – wie schafft man es, eine große Zahl an Fans um sich zu scharen? Möglicherweise sogar so viele, dass man Geld damit verdienen kann? Um’s kurz zu machen: Ein Patentrezept für einen erfolgreichen Instagram-Account, das für jeden funktioniert, gibt es nicht. Im Laufe meiner Karriere als Influencerin habe ich jedoch einige Dinge gelernt, die aus meiner Sicht Voraussetzung sind für einen erfolgreichen Online-Auftritt.

Wer vorhat, einen Instagram-Account aufzubauen und Follower anzuziehen, der sollte sich zunächst einmal fragen: Woran habe ich Freude? Was möchte ich mit anderen teilen? Wofür stehe ich? Der eine kocht vielleicht leidenschaftlich gern, ein anderer hat ein Faible für Naturfotografie – und warum nicht ein paar Bilder vom Angeln hochladen und posten? Alles ist möglich, und für alles gibt es in den schier unendlichen Weiten des Internets ein Interesse. Auch wenn Themen wie Fitness, Make-up und Mode gerade stark im Trend liegen und viele sehr erfolgreiche Accounts sich darum drehen: Es ist nicht ratsam, auf den Zug aufzuspringen, wenn die eigenen Interessen anderswo liegen. Das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben. Als ich vor ungefähr fünf Jahren angefangen habe, Bilder auf Instagram zu posten, waren es schon damals Fotos aus dem Fitnessstudio, von meinem Essen oder Outfit-Bilder. Zugegeben, optisch haben sich meine Bilder seitdem weiterentwickelt. Doch die Art der Bilder und die Themen, um die sie sich drehen, sind ziemlich dieselben wie zu Beginn.

Ein zweites wichtiges Motto, an das ich mich selbst halte, lautet: Qualität statt Quantität. Ich lade grundsätzlich nur qualitativ hochwertige Bilder hoch, bei denen ich selber ein gutes Gefühl habe. Ich würde nie ein Foto auf Instagram posten, das mir nicht gefällt. Das heißt im Übrigen nicht, dass jedes Bild mit einer professionellen Kamera aufgenommen sein muss. Einen Großteil meiner Bilder auf Instagram mache ich mit meinem Smartphone. Qualitativ hochwertig bedeutet für mich eher, viel Mühe in ein Bild zu stecken und ein Auge für Details zu haben – ich achte zum Beispiel immer auf das richtige Licht, einen schönen Hintergrund und eine rundum harmonische Bildkomposition. Filter und Effekte können helfen, ein gutes Bild noch besser zu machen. Hier gilt: Weniger ist mehr. Ich habe anfangs oft übertrieben und viel zu viele Filter und Effekte über ein Bild gelegt –  das kann einem guten Foto mehr schaden als nutzen.

Schmaler Grat zum Spam

Das heißt aber nicht, dass man nur einmal im Monat ein Bild postet. Wer sich eine Community aufbauen will, sollte unbedingt regelmäßig Fotos hochladen. Niemand wird einem Account folgen, bei dem nur alle Jubeljahre etwas passiert. Ich persönlich versuche, mindestens einmal am Tag oder jeden zweiten ein Bild zu posten. Natürlich gibt es auch bekannte Instagram-Persönlichkeiten, die viel häufiger posten – drei oder vier Mal am Tag. Mir ist das jedoch zu viel. Hier muss jeder selbst rausfinden, was für ihn am besten funktioniert. Man sollte jedoch vorsichtig sein, denn zwischen dem Posten interessanter Inhalte und dem Zuspammen der Follower liegt ein schmaler Grat.

Wichtig sind aber nicht nur die einzelnen Bilder und wie diese präsentiert sind, sondern ist auch der Gesamteindruck des Profils. Manche Seiten auf Instagram sehen bereits auf den ersten Blick sehr harmonisch aus – die Farben und Bilder passen zusammen, alles ist nach einem bestimmten Schema gestaltet. Wer das möchte, kann etwa dieselben Filter für seine Fotos benutzen – so entsteht ein „roter Faden“, der sich durch das Profil zieht. Mir persönlich ist das nicht allzu wichtig, obwohl mir solche Accounts durchaus gefallen. Bei der Gestaltung meines Profils setze ich eher auf Abwechslung – den Followern soll es schließlich Spaß machen, sich darauf umzuschauen und etwas zu entdecken. Deshalb suche ich für meine Bilder den individuell am besten passenden Filter aus. Auch die Themen der Bilder und ihre Formen versuche ich nach Möglichkeit zu variieren, das heißt zum Beispiel, nicht drei Selfies oder Essensbilder hintereinander zu posten. Gut ist auch, hin und wieder ein Video einzubauen.

Beim Aufbau eines Instagram-Accounts ist es außerdem sinnvoll, sich mit anderen zu vernetzen – es lohnt sich, zu Events zu gehen, mit Leuten zu sprechen und persönliche Kontakte herzustellen, die einem bei Projekten vielleicht irgendwann weiterhelfen können. Es kommt nicht immer nur auf die Zahl der Follower an. Außerdem kann es nie schaden, sich mit anderen über Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig Tipps zu geben. Ebenso kann es helfen, sich von größeren Accounts auf Instagram unterstützen zu lassen.  Ich selbst habe das für meinen Account nie gemacht, es kann aber durchaus nützlich sein  – vor allem wenn die Followerzahlen stagnieren, obwohl der Inhalt stimmt. In dem Fall kann man beispielsweise bei größeren Accounts anfragen, ob sie die eigenen Bilder reposten würden – natürlich sofern sie ihnen gefallen und zu ihren eigenen passen. Aber Achtung – das heißt nicht, ständig nach „Shoutout for Shoutout“ zu fragen.

Wer über längere Zeit einen erfolgreichen Instagram-Account führen möchte, der sollte außerdem dazu bereit sein, sich ständig weiterzuentwickeln. In den fünf Jahren seit meinem ersten Upload auf Instagram hat sich mein Profil dort verändert, weil ich mich verändert und in der Zwischenzeit viel dazugelernt habe. Vielleicht entwickelt man im Laufe der Zeit neue Interessen oder möchte sich einfach nur verbessern, etwa bei der Gestaltung der Bilder. Der eigenen Entwicklung sind keine Grenzen gesetzt. Auf Instagram gilt das Gleiche wie im normalen Leben: Man sollte die Messlatte hoch legen und danach streben, sich jeden Tag ein Stück zu verbessern. Ich habe mich zum Beispiel in den vergangenen Jahren sehr viel mit Fotografie auseinandergesetzt. Phasenweise hat mich mein eigenes Profil auf Instagram gelangweilt – da wusste ich, dass ich etwas verändern muss. Das hat dazu geführt, dass ich nun neben meinem Instagram-Account auch einen Blog und sogar eine eigene App habe.

Kein Nebenjob

Eins darf man bei dem Ganzen nicht unterschätzen: den Aufwand. Viel zu viele Leute denken, dass es ein Einfaches ist, auf Instagram hin und wieder ein paar Bilder zu posten und damit Geld zu verdienen. Das ist allerdings weit entfernt von der Realität. Influencerin zu sein verwandelt sich ab einem gewissen Punkt definitiv zu einem Vollzeitjob, der teilweise mehr Zeit in Anspruch nimmt als so mancher „gewöhnliche“ Beruf. Für mich gibt es keine freien Tage, auch keinen Feierabend. Manchmal kann es passieren, dass ich 16 Stunden am Tag arbeite. Keine Frage – ich habe mir diesen Beruf ausgesucht, und er macht mir Spaß. Man sollte sich jedoch des enormen Zeitaufwands bewusst sein und sich auf viele lange Stunden am Laptop einstellen, wen man diesen Weg einschlagen will. Hinzukommen die vielen Reisen. Ich bin mittlerweile ständig unterwegs und lebe quasi nur noch aus dem Koffer. Auch das gehört dazu.

Last but not least: Die Community ist für mich das A und O eines erfolgreichen Instagram-Accounts. Man sollte niemals den Kontakt zu den eigenen Followern verlieren, sondern mit ihnen kommunizieren, ihr Feedback ernst nehmen und ihren Wünschen so gut es geht nachkommen. Und für mich eines der wichtigsten Dinge: bodenständig bleiben, wie groß auch immer die Community sein mag. Die Zahl der Follower bestimmt weder den Wert eines Accounts, noch den einer Person. Deshalb spreche ich auch lieber von einer Community statt Fans.

Leider gibt es kein garantiert wirksames Rezept, um bei Instagram aufzusteigen. Social Media sind und bleiben teilweise willkürlich und unberechenbar, so dass sich manchmal nicht erklären lässt, wieso ein bestimmter Account ein rasantes Wachstum erfährt und ein anderer nicht. Erfolg lässt sich nicht erzwingen, aber wer sich ernsthaft Mühe gibt, sich treu bleibt, Spaß an der Sache hat und noch dazu geduldig ist, der wird früher oder später auch Ergebnisse sehen.

Pamela Reif, 21, ist Social-Media-Influencerin, Autorin und Unternehmerin. Ihre Hobbys Fitness, Mode und Beauty hat sie zum Beruf gemacht und teilt ihre Leidenschaft täglich mit ihrer Online-Community, zum Beispiel auf Instagram.

Pamela Reif
Pamela Reif
Influencerin / Social Media

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