Extrahilfe annehmen
Unicredit: Nochmals in die Bresche springen

Die Krise der osteuropäischen Volkswirtschaften ist ein weiterer Schlag für die italienische Bankengruppe. Unicredit, die selbst ernannte "erste wirklich europäische Bank", erscheint wieder verwundbar. Eine Kapitalunterstützung von drei Milliarden Euro aus Österreich könnte helfen.

Unicredits Schreckensjahr setzt sich rasant fort. Die italienische Bankengruppe, die schon bei einer Kapitalerhöhung über 6,6 Milliarden Euro eine Kehrtwende vollzog, steht wieder einmal im Auge des Sturms, der sich über Osteuropa zusammenbraut. Weil fast ein Drittel des Umsatzes und ein noch größerer Anteil des erwarteten Wachstums von der Region abhängen, erscheint die selbst ernannte "erste wirklich europäische Bank" verwundbar.

Währungsungleichgewichte könnten große Teile Osteuropas in den Abgrund stürzen, auch die Banken, die in diese aufkommenden Volkswirtschaften strömten, um dort Profit zu machen. Die Ratingagentur Moody?s glaubt, dass die Region in eine besonders tiefe Rezession fallen wird.

Anleger haben dies zur Kenntnis genommen. Die Aktien der österreichischen Erste Bank, die stark in der Region vertreten ist, verbilligten sich seit Anfang Februar um 35 Prozent. Unicredit-Aktien fielen um 14 Prozent, und ihre fünfjährigen Kreditausfallversicherungs-Kontrakte (Credit Default Swaps) stiegen von 138 auf 200 Basispunkte.

Westeuropäische Banken stellen 85 Prozent der Kredite in Osteuropa. Sie verhielten sich schlecht, weil sie oft in Euro oder US-Dollar denominierte Kredite an Unternehmen und Privatpersonen vergaben, die ausschließlich über Einnahmen in lokalen Währungen verfügen. In den baltischen Staaten machen derartige Darlehen bis zu drei Viertel aller Kredite aus. In Rumänien, Bulgarien und Ungarn liegt ihr Anteil dem Internationalen Währungsfonds zufolge bei etwa der Hälfte.

Bei Unicredit entfallen 15 Prozent der Kredite auf die Region, vom relativ sicheren Polen, das von jeder EU-Rettungsaktion profitieren würde, bis hin zu den in großen Schwierigkeiten steckenden Ländern Ukraine und Kasachstan. Nur die Hälfte der Unicredit-Darlehen entfällt auf so genannte Niedrigrisiko-Länder.

Das ist immer noch besser als gar nichts. Es könnte auch helfen, dass die Unicredit-Geschäfte in der Region größtenteils über ihre österreichische Tochtergesellschaft laufen. Die Regierung des Landes hat einheimischen Banken Kapitalspritzen angeboten, die eine indirekte Unterstützung für ausländische Aktivitäten sind. Die Raiffeisen Zentralbank hat das Angebot bereits angenommen.

Unicredit-Chef Alessandro Profumo könnte diesem Beispiel folgen und dann versuchen, sich in den kommenden Jahren aus der Region zurückzuziehen. Besser einmal schlecht aussehen als lebendig verbrannt werden.

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