Exxon/XTO
Exxon tritt aufs Gaspedal

Exxon übernimmt XTO Energy für 31 Mrd. Dollar. Der Erdölriese verschafft sich damit einen möglicherweise lukrativen Zugang zum US-Gasmarkt und sorgt für eine erforderliche Erhöhung der Energiereserven, während sich Erdgas zudem gerade von den historischen Tiefstständen erholt. Außerdem muss Exxon dafür nur zehn Prozent mehr Aktien begeben. Alles in allem sieht der Deal wie ein kluger Schachzug aus.
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In seiner größten Transaktion seit zehn Jahren wird der Erdölriese Exxon Mobil 31 Mrd. Dollar für XTO Energy zahlen. Der Abschluss erfüllt viele Kriterien für den Ölmulti. Er kann so auf dem US-Erdgasmarkt Fuß fassen und sorgt für eine erforderliche Erhöhung der Energiereserven. Die langfristige Wette wurde zudem genau zu dem Zeitpunkt abgeschlossen, zu dem sich Gas von seinen historischen Tiefstständen erholt. Außerdem erspart Exxon mit der Finanzierung der Übernahme den Aktionären eine allzu starke Verwässerung. Alles in allem sieht der Deal wie in kluger Schachzug aus.

XTO arbeitet auf unkonventionellen Märkten, zu denen auch Tonschiefer ("Shale Gas") gehört. Diese Ressourcen gelten zwar als viel versprechend, haben den Produzenten in letzter Zeit allerdings einiges abverlangt. Ein Überangebot an Erdgas zusammen mit der von der Rezession ausgelösten Verringerung der industriellen Nachfrage hatte die Preise auf neue Tiefststände gedrückt. Die Lagerbestände erreichten Rekordniveau und die Erdgaskontrakte sanken ins Bodenlose. Die Aktien von XTO folgten dieser Entwicklung und gaben gegenüber ihrem im Juni 2008 verbuchten Hoch um 40 Prozent nach.

Doch die Hoffnungen, die Exxon in die Zukunft setzt, überwiegen die Sorgen über die Gegenwart. Im jüngsten Energieausblick geht das Unternehmen davon aus, dass Erdgas aus unkonventionellen Quellen bis 2030 mehr als die Hälfte des US-Bedarfs abdecken könnte. Umweltschützer werben für Erdgas als einer Brücke zu einer CO2-armen Volkswirtschaft, denn die CO2-Emissionen sind nur etwa halb so hoch wie die von Kohle.

Doch wenn die Nachfrage steigen soll, werden die Gesetzgeber ihren Teil dazu beitragen müssen. Exxon setzt darauf, dass der Widerstand der Demokraten in den US-Bundesstaaten, die von der Kohleproduktion abhängen, letztendlich überwunden wird. Eine erdgasfreundliche Regulierung würde dazu beitragen, dass sich die Preise dem mächtigen Gegenwind entgegenstemmen können, der ihnen aufgrund des enormen Anstiegs beim möglichen Angebot an Shale Gas im Verlauf des vergangenen Jahres entgegengeweht war.

Doch selbst wenn man die politischen Risiken berücksichtigt, ergeben sich noch Vorteile. Indem Exxon seiner Ressourcenbasis die 45 Bill. Kubikfuß an Gas von XTO einverleibt, ergänzt das Unternehmen dringend erforderliche Energievorräte, die schwer wieder aufzufüllen waren. Mit dem Deal erhöhen sich seine nachgewiesenen Reserven um zehn Prozent auf 25,3 Mrd. Barrel an Öläquivalent basierend auf den Zahlen zum Ende des Jahres 2008, berichtet Sanford Bernstein.

Der Preis von 31 Mrd. Dollar mag, besonders angesichts der Flaute auf den M&A-Märkten, hoch klingen. Für Exxon mit einer Marktkapitalisierung von 345 Mrd. Dollar allerdings ist die Transaktion finanziell nicht so gigantisch wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Sicher, die strategische Verlagerung ist bedeutsam. Aber Exxon scheint sich einen vernünftigen Zeitpunkt dafür ausgesucht zu haben.

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