EZB
Ein kräftiger Tritt für den Dollar

In Europa machen sich Sorgen um den starken Euro breit. EZB-Chef Trichet wird versuchen, den Aufstieg der europäischen Währung zu dämpfen. Doch es wäre gut, wenn er dabei von den Amerikanern unterstützt würde. Die US-Notenbank sollte Dollar kaufen, um den Druck vom Euro zu nehmen - und damit gleichzeitig der Inflation in den USA entgegenwirken.

Nachdem der Euro die Schwelle von 1,50 Dollar durchbrochen hat, hat sich das bisher nur leise vernehmbare Murren in Europa zu offenen Unmutsbekundungen gesteigert. Der Erwartungsdruck gegenüber Jean-Claude Trichet, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), wächst. Trichet hat durchaus Waffen in seinem Arsenal. Aber es wäre ihm auch mit der Unterstützung der Amerikaner gedient.

Trichets erste Waffe könnte darin bestehen, wenn er als Echo der Unzufriedenheit fungiert und damit kraft seines Amtes dessen Intensität verstärkt. Er könnte zum Beispiel sagen, dass die Euro-Stärke übertrieben ist. Dies allein könnte die Händler und Investoren schon nervös machen.

Trichets Warnschuss könnte allerdings umso lauter klingen, wenn er ihn mit Andeutungen über eine mögliche Zinssenkung aufladen würde. Sein Problem liegt in der Teuerungsrate von 3,2 Prozent, die weit über das Ziel der EZB von zwei Prozent hinausgeschossen ist. Aber wenn der EZB-Chef mit verhaltenem Optimismus über die Inflationsentwicklung aufwartet und die konjunkturelle Verlangsamung in Europa betont, dann könnte er in der Lage sein, Zinssenkungserwartungen zu schüren und dem Euro einen Dämpfer zu versetzen.

Es wäre gut für ihn, wenn er dabei Unterstützung von der anderen Seite des Atlantik bekäme. Im Februar hatte Trichet betont, wie sehr er die Kommentare seines amerikanischen Amtskollegen Ben Bernake und des US-Finanzministers Henry Paulson zu Gunsten eines starken Dollar begrüßt.

Diesem leeren Gerede der Amerikaner könnte mit Leichtigkeit mehr Bedeutung verliehen werden. Bernanke müsste nur die großen Erwartungen des Markts auf eine Zinsrücknahme beim Treffen der Fed am 18. März umkehren, indem er deutlich macht, dass die US-Inflation, die von der Schwäche des Dollar verschärft wird, ihm Sorge bereitet. Aber Bernanke ist auf die Rezession fixiert.

Die EZB könnte auch an einer anderen Front angreifen und auf dem Devisenmarkt intervenieren. Die Zentralbank hatte im November 2000, als der Euro weniger als 0,90 Dollar wert war, Euro gekauft. Sie könnte jetzt Dollar kaufen. Aber das wäre riskant. Europa könnte sich damit leicht zum Sündenbock für die Entwicklung des Dollar machen. Auch hier wäre eine Mitarbeit der Amerikaner die Lösung.

Die Fed hat in der Vergangenheit auf den Devisenmärkten interveniert, um über mehrere Jahre anhaltenden Aufwärts- oder Abwärtstrends des Greenback entgegenzuwirken. Die US-Notenbank hat zum Beispiel 1995 Dollar gekauft, als die US-Valuta am Boden war. Jetzt ist die amerikanische Währung noch viel stärker geschwächt. Eine Intervention zur Stützung der US-Währung könnte den Teufelskreis der Dollar-Schwäche bei gleichzeitiger Rohstoffpreisinflation durchbrechen, der die US-Teuerung antreibt. Bernanke würde dies sicher begrüßen. Eine gemeinsame Intervention klingt für beide Seiten gut. Vielleicht lässt sie nicht mehr lange auf sich warten.

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