Facebook
Auf Messers Schneide

Facebook kränkelt. Fünf Spitzenmanager haben die soziale Netzwerk-Site verlassen, darunter auch ein Mitbegründer, der nun ein Konkurrenzunternehmen auf die Beine stellt. Die Firma kauft Mitarbeiteraktien – was sie sich eigentlich nicht leisten kann. Facebook muss ein paar reiche Freunde anheuern, wenn sie vermeiden will, als kurzer Eintrag im Silicon Valley-Geschichtsbuch zu enden.

Facebook steckt in Schwierigkeiten. Fünf Spitzenmanager der sozialen Netzwerk-Site haben das sinkende Schiff verlassen. Um ihren Angestellten einen finanziellen Anreiz dafür zu geben, an Board zu bleiben, setzt die Firma ihre ohnehin knappen Barmittel dazu ein, einen Teil der ansonsten illiquiden Mitarbeiteraktien aufzukaufen. Facebook muss dringend neue Freunde finden, wenn sie nicht zu einem kurzen Eintrag in den Geschichtsbüchern des Silicon Valley verkümmern will.

Es ist schon beunruhigend, wenn Spitzenkräfte einem Unternehmen den Rücken kehren, das mit einem impliziten Wert von 15 Mrd. Dollar versehen worden war, als Microsoft im vergangenen Oktober in die Firma investiert hatte, und das als nächster heißer Internet-Börsengang gehandelt worden war. Noch alarmierender ist, dass einer von ihnen - Mitbegründer Dustin Moskovitz - ein Konkurrenzunternehmen ins Rennen schickt, das sich auf den Arbeitsplatz statt auf das gesellschaftliche Leben konzentriert. Er scheint der Ansicht zu sein, dass Nischenanbieter auf dem Gebiet des Social Networking wie LinkedIn eher einen Gewinn erzielen könnten, bevor Facebook dies mit seinem Krabbelsack-Angebot gelingt.

Um den Abfluss seiner Talente abzufedern, wird Facebook es ihren Mitarbeitern erlauben, ab dem 1. November Kasse zu machen. Die Belegschaft kann bis zu 20 Prozent ihrer unverfallbaren Kapitalbeteiligungen verkaufen und zwar zu einem Preis, der das Unternehmen mit vier Mrd. Dollar bewertet. Und wenn Facebook ihr Vorkaufsrecht nutzt, wird sie diese selbst erwerben.

Nehmen wir einmal an, die Mitarbeiter halten 20 Prozent an der Gesellschaft, und das Rückkaufsprogramm könnte Facebook etwa 160 Mill. Dollar kosten. Das wären dann fast die Einnahmen eines halben Jahres - das Unternehmen erwartet in diesem Jahr nämlich Einnahmen über 350 Mill. Dollar. Doch selbst ohne den Erwerb von Belegschaftsaktien war nicht erwartet worden, dass diese sich in einen positiven Cash Flow umsetzen lassen. Der Rückkauf wird also die Barmittelrücklagen des Unternehmens, wie hoch sie auch immer sein mögen, angreifen.

Theoretisch könnte Facebook sich umdrehen und die früheren Belegschaftsaktien - und mehr - an externe Investoren verkaufen. Das Problem ist, dass sich in wirtschaftlich harten Zeiten vermutlich nur schwer eine Finanzierung bewerkstelligen lässt. Facebook ist zwar das größte soziale Netzwerk weltweit - und die Site wächst immer noch schnell. Aber Silicon Valley ähnelt derzeit einem Haus ohne Ausgangstüren. Der Markt für Erstemissionen ist vollkommen ausgetrocknet, genau so wie der Bereich Fusionen und Akquisitionen, und die Investoren zögern, neues Geld einzusetzen.

Es sieht daher ganz so aus, als müsste Facebook ein paar finanzkräftige Freunde anheuern, während die Firma versucht, ein Geschäftmodell zu entwickeln, das Gewinn bringend arbeitet. Sonst wird das Unternehmen sehr schnell Silicon Valley-Geschichte sein.

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