Facebook-YouTube
Zuerst das Wachstum, dann der Gewinn

Facebook hat MySpace hinsichtlich der globalen Nutzer überholt und expandiert schnell in neue Märkte wie China. Die Wachstumsstrategie des sozialen Web-Netzwerks erinnert an You Tube aus Prä-Google-Zeiten: Der Aufbau der Marktdominanz kommt vor dem Gewinn. Aber ein vergleichbares Finale scheint nicht in Sicht.

Setzt man das Unternehmen einmal mit dem Entwicklungsstadium eines Menschen in Bezug, dann ähnelt Facebook einem unbeholfenen Teenager kurz vor dem Ende eines Wachstumsschubs. Im vergangenen Monat hat das soziale Internet-Netzwerk hinsichtlich der Reichweite, gemessen an den eindeutigen weltweiten Nutzern, den Rivalen MySpace überholt. Aber die Website bringt immer noch weit weniger Geld ein als das Netzwerk von News Corp. Warum? Facebook folgt dem Wachstumsmodell von YouTube.

Google hatte YouTube im Oktober 2006 für 1,6 Mrd. Dollar übernommen. Damals verbuchte die Video-Site 34 Millionen Besucher im Monat und befand sich am Ende einer Wachstumsphase, während der sich die Nutzerzahlen innerhalb von neun Monaten verzehnfacht hatten. Jetzt registriert die Website etwa 59 Millionen Nutzer und beherrscht 73 Prozent des Markts für Online-Videos in den USA, berichtet Hitwise.

Was die Schaffung von Einnahmen angeht, fallen die Qualitäten von YouTube allerdings nicht so eindrucksvoll aus. Für 2008 dürfte die Site gerade einmal 200 Mill. Dollar einfahren. Aber Online-Videos gehören immer noch zu den neuen Medien und auf diesem Gebiet regiert YouTube de facto unangefochten. Wenn Google einen Weg finden kann, Online-Videos in Bares umzumünzen, dann könnte ihr You-Tube-Deal wie ein Geniestreich aussehen. Wenn nicht, dann haben immerhin die Gründer von YouTube und die Erstinvestoren gut abgeschnitten.

Dieselbe Logik kann auf Facebook angewendet werden. Die Netzwerk-Site verzeichnete im Mai 123 Millionen eindeutige Nutzer. Das waren etwa acht Millionen Besucher mehr als bei MySpace. Über das vergangene Jahr gesehen, entspricht dies einem Zuwachs um 162 Prozent, rechnet Comscore vor. Dieser Sprung ist weitgehend auf ein gewaltiges internationales Wachstum zurückzuführen, das von Nutzern angetrieben wird, die die Site umsonst übersetzen. Facebook hat sich gerade nach China und Russland vorgewagt und steht in 18 weiteren Sprachen zur Verfügung.

Aber wie bei YouTube entsprechen auch bei Facebook die Einnahmen diesem Wachstum nicht. Während MySpace in diesem Jahr 755 Mill. Dollar an Land ziehen dürfte, muss sich Facebook mit etwa einem Drittel davon zufrieden geben, schätzt EMarketer. Und eine Strategie nach dem Motto "Zuerst das Wachstum, dann der Gewinn" birgt beträchtliche Risiken.

Die von Gewinnen verwöhnte Google kann es sich leisten, mit YouTube solche Unwägbarkeiten einzugehen, weil die Internet-Firma mit der Site im Grunde nur eine Option auf die Zukunft des Internet-Videos gekauft hat. Und News Corp. verdient bereits viel mehr an MySpace als die Mediengruppe dafür ausgegeben hat. Facebook versucht dagegen immer noch, die Bewertung über 15 Mrd. Dollar zu rechtfertigen, die ihr verpasst worden war, als sie zuletzt frisches Kapital gesammelt hatte. Wenn Facebook jetzt sein Wachstum nicht in Dollar ummünzen kann, dann wird ihr dies nie gelingen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%