Facebook
Zuschlag für den Vorzug

Facebook soll jetzt zehn Mrd. Dollar wert sein? Das zumindest legt die Investition der russischen Internetgruppe Digital Sky Technologies über 200 Mill. Dollar bei dem sozialen Netzwerk nahe. Doch die bezieht sich auf Vorzugsaktien, deren Rechte nicht offen gelegt werden. Einen genaueren Aufschluss über den heutigen Wert von Facebook wird die Offerte der Russen für Stammaktien, die von Mitarbeitern gehalten werden, geben.
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Allmächtiger, Facebook ist zehn Mrd. Dollar wert? Diese Interpretation ihrer jüngsten Kapitalerhöhung würde der sozialen Netzwerk-Site wohl so passen. Aber lassen Sie sich nicht täuschen! Während es sich bei den zehn Mrd. Dollar zwar um eine Zielbewertung handeln mag, ist der tatsächliche heutige Wert der von Mark Zuckerberg in seiner Studentenbude ausgeklügelten Schöpfung wahrscheinlich weit geringer.

Doch so ganz in den Wind schlagen, sollte man die plakative Zahl nun auch wieder nicht. Gemäß den am Dienstag veröffentlichten Konditionen wird die russische Internet-Investmentgruppe Digital Sky Technologies (DST) 200 Mill. Dollar in die Firma einspeisen und dafür einen Anteil von 1,96 Prozent erhalten. Rechnet man diese Beträge hoch, kommt man tatsächlich auf einen Wert von zehn Mrd. Dollar.

Das ist ein ordentliches Sümmchen für eine Firma, die nach eigenem Eingeständnis vor dem kommenden Jahr auf keinen Fall einen positiven Cash Flow erreichen wird. Sicher, bei der letzten Kapitalerhöhung der Site vor 18 Monaten, die Microsoft und den Hongkonger Magnaten Li Ka-shing als Investoren mit an Bord brachte, war die Firma mit 15 Mrd. Dollar bewertet worden. Doch sieht man sich die Fallhöhe an, die die Finanzmärkte seit damals zu verkraften hatten, dann erscheint der Preis des DST-Geschäfts sogar noch robuster.

Die Aktien der Technologie-Standardwerte Microsoft und Google sind seit November 2007 um rund 45 Prozent gefallen. Gehen wir von einem ähnlichen Wertverfall bei Facebook aus, dann zahlt DST auf marktbereinigter Basis vermutlich einen Aufschlag von zwanzig Prozent und mehr gegenüber dem Eingangspreis von Microsoft, wenn man das zwischenzeitliche Wachstum des Geschäfts des sozialen Netzwerks außer Acht lässt.

Auf jeden Fall bergen diese schönen Zahlen für den Normalbegabten, der sich an der Bewertung von Facebook versucht, einen Haken. Das Unternehmen hat nämlich nicht reguläre Aktien an DST - oder auch an Microsoft - verkauft, sondern Vorzugsaktien. Die Firma will zwar keine Einzelheiten nennen, aber solche Titel verleihen Rechte und Privilegien, über die Stammaktien nicht verfügen. Sie sind daher mehr wert.

So könnte es sich bei den zehn Mrd. Dollar zwar um eine Bewertung handeln, die Facebook und DST anstreben. Doch sie geben nicht notwendigerweise den heutigen realen Wert des sozialen Netzwerks wieder. Aber DST hat darüber hinaus vereinbart, Aktien über 100 Mill. Dollar zu kaufen, die von Facebook-Mitarbeitern gehalten werden. Warten wir auf den Preis, den DST für diese Papiere zahlt, und auf den Preis, zu dem Insider bar jeder Privilegien sich von diesen Titeln zu trennen bereit sind. Er wird mehr über den heutigen Wert von Facebook aussagen als jede noch so schöne Pressemitteilung, die die Firma sich ausdenken könnte.

Link: Zuckerberg holt die Russen ins Silicon Valley (wiwo.de)

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