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Faktor Mensch: Ach, die Berater – sie sind eine Klasse für sich

Sie hatten es zuletzt nicht leicht, unsere Strategieberater. In der Krise war die Auftragslage schwierig, und wenn die McKinseys, die (Roland) Bergers, die grünen Jungs von BCG (Boston Consulting Group) oder die kleinen Boozes und Baines gebucht wurden, waren weniger Visionen als vielmehr schnelles, stumpfes Cost-Cutting gefragt.

Tanja Kewes leitet das Ressort Namen und Karriere. Quelle: Pablo Castagnola
Tanja Kewes leitet das Ressort Namen und Karriere. Quelle: Pablo Castagnola

Die Armen, denken Sie jetzt vielleicht..., aber das war noch nicht alles. Freche Konkurrenz trat auf den Plan. Die WPs, die Wirtschaftsprüfer, diese einfachen, in ihrer Sache aber exzellenten Zahlen- und Rechtswerkversteher und-verdreher, wollten auch im Beratermarkt mitspielen. Konkurrenz belebt ja das Geschäft, o.k. Aber bitte nicht die Preise, die Honorare und Tagessätze kaputt machen!

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Zu schlechter Letzt dann der Fall Roland Berger. Da wollte doch tatsächlich DIE deutsche Beraterlegende unter den Rock von Deloitte kriechen, der Number One international unter den Big Four der WPs. Und dann gelingt das nicht, weil die eigenen Partner nicht wollen. Eijeijeih, wer hat denn da Beraterbedarf? Etwa die Berater selbst? Da blieb selbst den ärgsten Rivalen die Häme im Hals stecken ...

Die Berater müssen sich eigentlich neu finden. Ihre schönste aller Welten, in der sie frei mit Vorständen ihre Aufträge und Honorare aushandelten, ist vorbei. Denn neben der neuen externen Konkurrenz gibt es in vielen Konzernen inzwischen interne Beratungen. Und was noch viel schlimmer ist: Einkaufslisten. Diese legen für den Fall, dass ein externer Stratege engagiert werden soll, fest, mit welchen Beratungen ein Konzern arbeitet und wie viel das kosten darf.

Aber stopp, bevor Sie jetzt wirklich anfangen, Mitleid zu entwickeln... Die Berater sind wieder obenauf, jedenfalls die Nummer eins in Deutschland und international, McKinsey. Während sich die Verfolger noch gegenseitig die Leute abwerben, wie zuletzt Bain den Bankenexperten Walter Sinn von BCG, hat der oberste deutsche McKinsey-Chef seine Sprache wiedergefunden und seine Klasse bei vorzüglicher Speise und gutem Wein hochleben lassen.

In Frankfurt, in der feinen Kameha Suite, referierte Frank Mattern über die Lage der Dinge, natürlich "ohne Zahlen" zu nennen, dafür "mit Hinweisen". Auf den Konkurrenzkampf angesprochen, sagte er: DEN Beratermarkt gebe es so nicht. Und natürlich setze McKinsey weiter seine Höchstpreisstrategie durch und werde weder "bodyleasing" noch "Werkbankverlängerung" betreiben oder gar "Blaupausen" liefern. Denn die "untold story" sei ja die der Profitabilität. Einzig die sei entscheidend. Wer als Beratung frisches Kapital brauche (kleiner Seitenhieb auf Roland Berger, der nach der geplatzten Fusion mit Deloitte ein paar Millionen nachschoss), habe etwas falsch gemacht. Die WPs seien zudem und natürlich keine ernsthaften Konkurrenten, zumal sie ja häufig in "audit conflicts" gerieten. Und prüfen und beraten gehe ja nun mal nicht zusammen. Und, ja, die Krise habe den "headcount", sprich die Beraterzahl, auch bei McKinsey reduziert, aber nicht dramatisch. Darüber hinaus setze man auf "adult learning" und "capability building" - "leider ist uns dafür noch kein deutsches Wort eingefallen".

"Ach!", um in seinem Jubiläumsjahr mal den genialen Literaten Heinrich von Kleist zu zitieren, der mit diesem Ausruf in seinem Werk "Amphitryon" vor der Welt als "gebrechlicher Einrichtung" kapitulierte - wie gut, dass es die Berater gibt. Sie sind schon eine (Sprach-)Klasse für sich oder, um im Beraterdeutschenglisch zu bleiben, "a class of their own". Sie retten und erklären uns die Welt. Und wenn sie sich wieder obenauf fühlen, können wir es auch. Wie gut, wenn einem endlich jemand

die Welt erklärt.

  • 22.01.2011, 00:07 UhrAnonymer Benutzer: AndreAdrian

    adult learning

    Die deutsche Übersetzung ist "lebenslanges Lernen". Und diese Erkenntnis ist schon recht alt. Aber ein berater wäre kein berater, wenn er nicht erfolgreich alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen könnte.

  • 21.01.2011, 16:28 UhrAnonymer Benutzer: abcde1234567

    Das beratungsgeschaeft hat sich lange genug gehalten, eher schon zu lang. Es war schon lange absehbar, das Unternehmen irgendwann nach tatsaechlichen und vor allem (zumindest) mittelfristigen Vorteilen der beratungstaetigkeit fragen, mehr als nur die "Analyse" man habe durch eine "Spezialanalyse" erjannt, es muessten Mitarbeiter entlassen werden. Hochschulabsolventen werden von beratungsunternehmen eingestellt in der Hoffnung durch deren Eltern an Kontakte und Auftraege zu kommen, berater eingestellt, die Kontakte in Unternehmen haben, in der Hoffnung auf Auftraege. beratee werden intern nur und ausschliesslich daran gemessen, wie viele beratertage sie den Kunden vekaufen konnten. berater sind die wechselwilligste Klientel fuer Headhunter, nahezu alle wollen wechseln, und nahezu keiner wieder in eine beratung. beratungsunternehmen schalten aeusserst aggressiv, als Stellenanzeigen getarnte, ganzsetige Werbung fuer sich selbst, in der Hoffnung, doch noch aus irgendeinem Unternehmen Gelder mitnehmen zu koennen, fuer "erbrache Leistung", d.h, Visionen etc. Der bemueht elitaere Schein ist schon laengst verflogen. Eigentlich schade, hatte es doch irgendwie was, das ganze Getue. Es war abzusehen, dass das nicht lange auf Kosten der beauftragenden Unternehmen mitgemacht wuerde. Nichts fuer Ungut.

  • 21.01.2011, 14:18 UhrAnonymer Benutzer: Andreas

    ...ja genau. Und wenn Sie mal sehr schnell zu rechtviel Geld kommen wollen, dann fragen sie eben den Milliardär. Der muss es ja schließlich wissen.

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