Faktor Mensch
Ein Freund fürs Leben oder Humankapital mit Zinseszins

Es gibt Kameraden, Kumpel, Spezis, Gefährten, Genossen, Getreue, Vertraute, Konfidenten, Komplizen, Ansprechpartner, Kollegen, Mitarbeiter, Chefs, Mentoren, Leidensgenossen, Geliebte - und es gibt Freunde.
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Es gibt Kameraden, Kumpel, Spezis, Gefährten, Genossen, Getreue, Vertraute, Konfidenten, Komplizen, Ansprechpartner, Kollegen, Mitarbeiter, Chefs, Mentoren, Leidensgenossen, Geliebte - und es gibt Freunde. Die edelste Form ist ein Freund fürs Leben. Ein solch historisch "glückliches Ereignis" war die Freundschaft von Goethe und Schiller. "Ein Glück für mich war es ?, dass ich Schillern hatte. Denn so verschieden unsere beiderseitigen Naturen auch waren, so gingen doch unsere Richtungen auf Eins, welches denn unser Verhältnis so innig machte, dass im Grunde Keiner ohne den Anderen leben konnte." (Goethe)

Die Freundschaft zweier Menschen, die Chefaufklärer Immanuel Kant noch als unrealistisch und als "Steckenpferd der Romanschreiber" abtat, ist ein romantisches Ideal und ein moderner Mythos. Letzterer fasziniert - und zwar auch, weil sich damit Geld verdienen lässt wie Mark Zuckerberg und Paris Hilton beweisen. Der Facebook-Gründer, dessen Leben gerade in den Kinos läuft, hat mit einer halben Milliarde Freunde viele Dollar gemacht, und die blonde Hotelerbin suchte einst ihren "BFF", ihren "Best Friend Forever", in einer Show und legte damit den Grundstein für ihr Imageimperium. Und im milliardenschweren Fußballgeschäft wird den Akteuren gerne gesagt: Ihr müsst elf Freunde sein!

Und wir? Haben wir Freunde, gar einen Freund fürs Leben? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, da es verschiedene Arten von Freunden gibt.

Da ist der beste Freund. Den oder die kennen wir meist seit Kindertagen. Er ist uns so nah wie manchmal nicht einmal unser (Ehe-)Partner. Er kennt unsere Herkunft, unsere Pickel als Teenager, unsere Schwächen von Physik-"Fünf" bis Spinnenphobie, unsere ersten Erfahrungen in Liebesdingen, politische Orientierungen. Und er weiß, egal wie groß, stark und abgeklärt wir heute sind, wie schüchtern, schmal und unscheinbar wir einst waren. Sich zu verstellen ist bei ihm sinnlos, und gerade deshalb lieben wir ihn. Manchmal, wenn wir ihn unerwartet treffen - schlimmstenfalls im Geschäftsleben mit Kollegen oder gar dem Chef -, sind wir peinlich berührt. Denn wir wissen: Wenn der wollte, könnte er uns voll reinreiten ? Schwer ist nur, in Kontakt zu bleiben. Denn die räumliche, soziale und emotionale Nähe haben sich geändert.

Dann gibt es den Sportsfreund. Das ist ein leichter Genosse, den wir - wie der Name schon verrät - häufig aus unserem Freizeitleben kennen. Er dient mehr der Ablenkung und Unterhaltung. Tiefschürfende Themen werden nicht erörtert, vielleicht noch etwas politisiert, aber eher auf Stammtischniveau.

Und dann der Geschäftsfreund oder der politische Freund. Das ist eine professionelle Beziehung mit Sympathiesprenkeln. Zwei oder mehr Komplementäre ergänzen sich mit ihren Persönlichkeiten und Geschäftsmodellen wie ein Projektentwickler und ein Architekt, ein Spediteur und ein Händler, ein Finanzproduktvertreiber und ein Rahmenbedingungssetzer (Politiker). In der Politik sind es häufig Koalitionäre, oder innerparteilich ist es der gute Redner mit dem inhaltlichen Vordenker. Manchmal hat eine solche Freundschaft auch etwas von einer Vernunftehe.

Aber auch ganz egal, ob Jugend-, Sports-, Geschäfts- oder Politikfreundschaft, das Wichtigste ist, dass wir welche haben und sie wertschätzen. In guten Zeiten reichen uns häufig der Sportsfreund zum Feiern und Lachen, in schlechten Zeiten brauchen wir beste und professionelle Freunde zum Ausheulen und Absichern. Denn wie schrieb schon sehr modern der deutsche Philosoph Johann Georg Hamann im 18. Jahrhundert: "Die Freundschaft ist ein Kapital, von dem die Zinsen niemals verloren gehen." Egal welcher Typ Freund: Hauptsache,

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin

Kommentare zu " Faktor Mensch: Ein Freund fürs Leben oder Humankapital mit Zinseszins"

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  • "Kenst Du die Steigerungsformen von 'Feind'?" fragte die eine bekannte Humoristengestalt die andere, daruf der andere: "Jo, klar: Feind - Erzfeind - Parteifreund!"

    So werden wir regiert.

    Und noch ein Tip: Lieber keine Freunde, als die falschen!

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