Familienmensch
Peugeot: Neuer Boss vor schwierigen Aufgaben

Erst vor zwei Jahren musste sich Philippe Varin mit den Gepflogenheiten der indischen Tata-Familie arrangieren, nachdem sie den Stahlkonzerns Corus gekauft hatte. Nun überlässt ihm die französische Peugeot-Dynastie das Ruder.
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Erst vor zwei Jahren musste sich Philippe Varin mit den Gepflogenheiten der indischen Tata-Familie arrangieren, nachdem sie den Stahlkonzerns Corus gekauft hatte. Nun überlässt ihm die französische Peugeot-Dynastie das Ruder.

Sein Vorgänger Christian Streiff schaffte es in kürzester Zeit, sowohl den Mehrheitsaktionär als auch die Konzernleitung, die Mitarbeiter und die französische Regierung zu brüskieren. Von Varin erhofft man sich mehr Taktgefühl - und härtere Maßnahmen.

Am Tag von Varins Ernennung kostete eine Herabstufung die Peugeot-Aktien acht Prozentpunkte. Varin darf also keinen Anfängerbonus erwarten. Der Konzern leidet an der Konjunkturflaute, verstärkt durch bereits vorher bestehende Überkapazitätsprobleme. Allein auf weiter Flur und zu klein für einen Einzelkämpfer, suchte Peugeot schon vor der Krise einen Partner. Doch die Peugeots sind sich uneins. Noch nie zählte der Konzern zu den wichtigsten Luxusmarken, die anderen Unternehmenszweige sind wenig prestigeträchtig.

Varin muss all diese Schwierigkeiten meistern und gleichzeitig den Drahtseilakt zwischen der auf Einmischung pochenden französischen Regierung und der Peugeot-Dynastie vollziehen, die den Staat außen vor lassen möchte. Dafür bringt er sicherlich mehr diplomatische Verve ins Spiel, als sein Vorgänger, der stets mit der Tür ins Haus fiel. Doch es besteht ein Widerspruch in sich, wenn man Staatsgelder annimmt, gleichzeitig unabhängig zu bleiben wünscht und munter weiter Geld verbrennt.

Varin wird sich womöglich durch Verkäufe etwas Luft verschaffen. Schon kursieren Gerüchte über den Abstoß der Finanzierungssparte und dem Autoteile-Zulieferer Faurecia, zu 70 Prozent in Konzernhänden. Doch der Besitz der Bank kommt gelegen, schließlich bleibt man damit im Fokus der Regierung. Faurecia hingegen wird nur mehr auf 200 Mio. Euro geschätzt - ein Viertel des Vorjahreswerts.

Es wird nicht einfach. Doch das wusste Varin schon vorher.

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