Fannie/Freddie
Sag niemals nie

Sind Fannie Mae und Freddie Mac die Dubai Worlds von Amerika? Noch nicht. Aber die Gläubiger der beiden gigantischen Immobilienfinanzier sollten nicht vergessen, dass auch diese, wie Dubai World, nur implizit durch ihre Regierung gestützt werden. Vielleicht ist die Vorstellung weit hergeholt, dass die US-Regierung Fannie und Freddie frei setzen würde. Trotzdem sollten die langfristigen Investoren diese Möglichkeit nicht außer Acht lassen.
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Fannie Mae und Freddie Mac stellen zwar nicht unbedingt Amerikas Antwort auf Dubai World dar. Aber die Gläubiger der beiden gigantischen US-Immobilienfinanzierer sollten nicht vergessen, dass diese, wie der Investmentbereich Dubais, die Unterstützung ihrer Regierung nur implizit genießen.

Bisher können die Investoren nachts noch ruhig schlafen. Für eine ungestörte Nachtruhe sorgen vor allem Kapitallinien über 400 Mrd. Dollar, die das US-Finanzministerium für die beiden Unternehmen eingerichtet hat. Beruhigend wirkt überdies, dass die US-Regierung im Besitz von Schuldtiteln und hypothekenbesicherten Wertpapieren von Fannie und Freddie über mehr als eine Mrd. Dollar ist. Die Regierung würde sich selbst einen Bärendienst erweisen, wenn sie es zuließe, dass die beiden Firmen bei ihren umlaufenden Schuldtiteln über mehr als 1,6 Bill. Dollar in Zahlungsverzug gerieten.

Außerdem spielen die beiden privaten Finanzinstitute mit staatlichem Auftrag, die mit dem rechtlichen Sonderstatus einer Government-sponsored Enterprise (GSE) versehen sind, auf dem US-Markt für Immobilienfinanzierungen eine zentrale Rolle. Selbst wenn man die Turbulenzen auf dem Binnenmarkt dabei einmal außer Acht lässt, würde ein Zahlungsverzug einer GSE bei lange als quasi staatlich erachteten Schuldtiteln den Ruf Amerikas auf den Finanzmärkten torpedieren.

All dies trägt zu der Erklärung bei, warum zweijährige von Fannie und Freddie begebene Bonds auf einem Niveau gehandelt werden, das an eine Welt vor der Krise erinnert. Sie erreichten in dieser Woche Renditen, die 18 bis 20 Basispunkte unter den maßgeblichen Swap-Sätzen lagen.

Auf fast drei Viertel ihrer staatlichen Rettungsleine können die beiden Giganten immer noch zurückgreifen. Vor dem Hintergrund der miserablen Verfassung auf dem US-Arbeitsmarkt und steigender Ausfallquoten bei Hypothekendarlehen ist es zwar wahrscheinlich, dass die Unternehmen diese Regierungsmittel stärker in Anspruch werden nehmen müssen. Dennoch scheint die Annahme weit hergeholt zu sein, dass die jeweils gewährte Summe von 200 Mrd. Dollar nicht ausreichen wird.

Allerdings ziehen sich die internationalen Zentralbanken, die einst zu den zuverlässigen Käufern von Schuldtiteln von Fannie und Freddie gehörten, gerade ein wenig zurück. Ihre Bestände an Schuldtiteln und Hypothekenbonds der beiden GSEs sind auf 767 Mrd. Dollar gefallen gegenüber fast einer Bill. Dollar im vergangenen Jahr.

Die Pessimisten, die eine amerikanische Schulden- und Währungskrise prophezeien, erwarten vielleicht auch, dass die US-Regierung im Fall eines Engpasses kaum eine andere Wahl hat, als sich auf ihre direkten Verbindlichkeiten zu konzentrieren und die GSEs frei zu setzen. Die Gläubiger der Unternehmen setzen darauf, dass ein solcher Tag der Abrechnung erst in Jahren, wenn überhaupt, eintritt. Allerdings sind die möglichen Folgen so immens, dass die langfristigen Anleger diese Möglichkeit trotzdem nicht außer Acht lassen sollten.

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