Fannie Mae/Goldman Sachs
Nicht zu vertreten

Das US-Finanzministerium hat die Pläne von Fannie Mae zurückgewiesen, Steuergutschriften über fast drei Mrd. Dollar, die der angeschlagene Immobilienfinanzierer nicht nutzen kann, an Goldman Sachs zu verkaufen. Die Ablehnung erfolgte zwar nicht ohne Grund. Doch da Fannie Mae bereits weitere Staatshilfen über 15 Mrd. Dollar eingefordert hat, sollte jede Art von Marktmechanismus begrüßt werden, die den Bedarf an Handreichungen durch die Regierung reduziert.
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Das US-Finanzministerium hat den Plan von Fannie Mae zurückgewiesen, Steuergutschriften über fast drei Mrd. Dollar, die der Immobilienfinanzierer nicht nutzen kann, an die politisch ins Kreuzfeuer geratene Goldman Sachs und an Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway zu verkaufen. Das Treasury hatte für die Entscheidung zwar seine Gründe. Aber jede Art von Marktmechanismus, die den Bedarf an staatlichen Handreichungen reduziert, sollte begrüßt werden.

Nach Angaben von Fannie Mae begründete das Finanzministerium seine Ablehnung des Deals damit, dass die verlorenen Steuereinnahmen seitens der rentablen Käufer der Steuergutschriften umfangreicher wären als die Verringerung der staatlichen Beihilfen, die Fannie benötigt. Wenn dies stimmt, dann kann die Differenz nicht so groß sein - und es gibt andere Faktoren, die es verdienen, beachtet zu werden.

Zunächst einmal könnten die Auswirkungen auf Fannie größer sein, als das Treasury dies veranschlagt. Der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer hatte per Ende September 5,2 Mrd. Dollar dieser speziellen Art von Steuergutschriften in der Bilanz verbucht. Die betreffenden Steuererleichterungen stammen aus Investitionen, die gemäß dem US-Regierungsprogramm LIHTC im Bereich Wohnungsbau für Einkommensschwache vorgenommen wurden.

Goldman und Berkshire hätten rund die Hälfte der LIHTC-Gutschriften von Fannie zu mehr als ihrem Bilanzwert erworben, berichtete Fannie. Nachdem das Treasury den Verkauf blockiert hat, denke die Firma noch einmal neu darüber nach, ob davon auszugehen ist, dass ihre Gutschriften überhaupt verkäuflich sind. Wenn sie zu dem Schluss kommt, dass dies nicht der Fall ist, wird sie möglicherweise das gesamte Paket auf Null abschreiben müssen.

Zweitens, und als breiter gefasster Grundsatz für die Zeit nach der Krise, erscheint der zu Marktpreisen erfolgende Verkauf von Steuergutschriften unter einem Programm, das seit mehr als 20 Jahren läuft, ein besserer Ansatz zu sein, um ein Zombie-Institut zu finanzieren, als bedingungslos weitere Almosen auszuteilen. Nachdem Fannie Mae im dritten Quartal einen Verlust von fast 19 Mrd. Dollar verbucht hatte, hat das Unternehmen gerade weitere 15 Mrd. Dollar an Hilfen vom Finanzministerium verlangt. Damit haben die Steuerzahler bisher 60 Mrd. Dollar in den maroden Finanzierer gesteckt - und ein Ende ist nicht in Sicht.

Doch das Finanzministerium unter der Leitung von Tim Geithner machte sich über einen anderen Aspekt Sorgen. Goldman Sachs ist zum Blitzableiter für die Kritiker des übermäßigen politischen Einflusses der Investmentbanker, ihrer Gewinne und Bezahlung geworden. Auch wenn der allseits respektierte Investor Warren Buffett ebenfalls an dem Deal beteiligt gewesen wäre, wäre die Billigung eines Vorgangs, der den Steuerbescheid der Investmentbank gemindert hätte, politisch gefährlich gewesen - selbst wenn das Geschäft fair gewesen wäre.

Will die US-Regierung den Eindruck vermindern, Goldman Sachs würde auf irgendeine Weise bevorzugt behandelt, dann müsste sie staatlich gestützte Unternehmen, die LIHTC-Steuergutschriften verkaufen, dazu zwingen, diese zu versteigern. Diese Option ist noch nicht aus der Welt, denn zu den anderen möglichen Verkäufern gehören Freddie Mac und Citigroup, um nur zwei Kandidaten zu nennen. Die Bereitschaft des Treasury, sich auf die Marktkräfte einzulassen würde spätestens dann erneut auf die Probe gestellt, wenn sich Goldman Sachs als der Meistbietende erweisen würde.

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