Fannie Mae und Freddie Mac
Masochistischer Hausmeister gesucht

Wer würde schon gern Fannie Mae oder Freddie Mac leiten? Es ist eine undankbare Aufgabe: schlecht bezahlt, ständig mischen sich Aufsicht und Gesetzgeber ein, für Reformen besteht wenig Spielraum. Die neuen Chefs können eigentlich nur als Hausmeister fungieren.
  • 0

Führungskräfte von Finanzunternehmen verlieren in Scharen ihre Posten. Und doch könnte es schwierig werden, neue Chefs für die US-Immobilienfinanzierungsriesen Fannie Mae und Freddie Mac zu finden. Deren Aufgaben sehen nämlich mehr als undankbar aus: schlecht bezahlt, ständig mischen sich die Aufsichtsbehörden und die Gesetzgeber ein, und weil die Regierung mit Nachdruck politische Ziele setzt, besteht wenig Spielraum für Reformen. Keine der beiden Firmen kann derzeit als Privatgesellschaft bestehen; ihre neuen Bosse könnten also wenig mehr als nur Hausmeister sein.

Der Chief Executive von Freddie, David Moffett, war so frustriert von seinem Job, dass er im vergangenen Monat aufgab - nach nur sechs Monaten im Amt. Herb Allisson, sein Pendant bei Fannie, soll angeblich bald gehen, um das Troubled Asset Relief Programme des US-Finanzministeriums zur Rettung des amerikanischen Bankensektors zu leiten. Beide waren eingesetzt worden, nachdem die Regierung im vergangenen September die Kontrolle über die Hypothekenriesen übernommen hatte.

Damals hatte das US-Finanzministerium den beiden Unternehmen massive Kreditlinien bereit gestellt. Ihre Aufsichtsbehörde, die Federal Housing Finance Agency, hatte die Begrenzungen für die Ausweitung ihrer Portfolios gelockert. Das mag zum damaligen Zeitpunkt notwendig erschienen sein, um die Verfügbarkeit von Hypothekendarlehen aufrecht zu erhalten. Als die Regierung eingriff, kauften, garantierten und verwalteten die beiden Firmen etwa 80 Prozent aller neuen Häuserkredite.

Diese staatliche Unterstützung nutzen Fannie und Freddie immer noch zu ihrem Vorteil. Sie können Mittel billig aufnehmen und so private Hypothekenquellen unterbieten. Ihre künstliche Vormachtstellung ist ungebrochen, was es umso schwieriger macht, sie auf eine kommerzielle Basis zu stellen.

Die Gesetzgeber und die Regierung von US-Präsident Obama waren bisher bemerkenswert zurückhaltend, was ein Ende der staatlichen Kuratel für Fannie und Freddie angeht. Und da die Regierung Optionsscheine auf 80 Prozent ihrer Aktien hält und beide Unternehmen weiterhin umgangreiche Verluste schreiben, ist es unwahrscheinlich, dass sie sich schon bald aus der staatlichen Umklammerung lösen können.

Eine ambitionierte Führungspersönlichkeit würde normalerweise die Herausforderung begrüßen, letztendlich eine verkleinerte Firma zu schaffen und sie, mit einer großen persönlichen Beteiligung am Aktienkapital, als rentables und vollständig privat geführtes Unternehmen wieder auf den Weg zu bringen. Derzeit allerdings gibt es nicht das geringste Anzeichen dafür, dass der politische Wille für einen solchen Schritt vorhanden ist.

Eine weniger attraktive Alternative wäre es, Fannie und Freddie mit der Zeit abzuwickeln. Aber selbst mit Aufräumarbeiten dieser Art ist nicht wirklich zu rechnen. Wahrscheinlicher ist es, dass sich die beiden Unternehmen einfach weiterschleppen und dass ihre neuen Chefs dabei als Hausmeister fungieren. Und das ist nicht gerade ein Traumjob für einen ehemaligen oder zukünftigen Industriekapitän.

Kommentare zu " Fannie Mae und Freddie Mac: Masochistischer Hausmeister gesucht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%