Fannie Mae und Freddie Mac
Zu früh gefreut

Die Märkte sind ein bisschen zu sehr darauf aus, endlich wieder einmal zu feiern. Anders kann man ihre positive Reaktion auf die Lockerung der Kapitalanforderungen für Fannie Mae und Freddie Mac durch die Aufsichtsbehörde Ofheo nicht interpretieren. Das könnte ein bisschen zu optimistisch sein.

Vor zwei Tagen hatten die Märkte nur Augen und Ohren für schlechte Nachrichten. Jetzt scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Nehmen wir einmal die Reaktion auf die Entscheidung der Aufsichtsbehörde Ofheo, die Kapitalanforderungen für Fannie Mae und Freddie Mac zu verringern. Um weit mehr als zehn Prozent legten die Aktien der beiden staatlich gestützten Baufinanzierer daraufhin zu. Sicher, die beiden Hypothekengiganten brauchen noch jede Menge Geld, wenn sie ihre öffentliche Mission erfüllen sollen, den Immobilienmarkt zu stützen. Aber es ist nicht klar, ob der Plan von Ofheo dabei helfen wird.

Warum nicht? Schließlich würde die Reduzierung des 30-prozentigen Kapitalpolsters um ein Drittel, das die beiden Gesellschaften über die Mindestanforderungen hinaus vorhalten müssen, immerhin rund 17 Mrd. Dollar frei setzen, die nutzbringend eingesetzt werden können. Diese könnten mit Hilfe von Fremdkapital zu einer 200 Mrd. Dollar schweren Finanzstütze für den Markt aufgebläht werden. Aber hier kommt der Haken: Als Bedingung für die Lockerung haben sich sowohl Freddie als auch Fannie bereit erklärt, ihre Eigenkapitalquoten weit über den Anforderungen zu halten. Mit anderen Worten: Es ist noch lange nicht klar, wie tief sie wirklich in ihre neu frei gesetzten Reserven eintauchen können.

Vielleicht will der Branchenaufseher Ofheo hier ein bisschen an der Marktpsychologie drehen: Wenn das Limit gesenkt, aber nicht ausgenutzt wird, dann werden die Investoren es vielleicht als einen flexibleren Puffer betrachten, und sie wären somit eher geneigt, eine weitere Runde frischen Kapitals bereit zu stellen - zusätzlich zu den 13 Mrd. Dollar, die sie den beiden Baufinanzierern schon in den vergangenen Monaten herübergereicht haben.

Der einzig gangbare Weg dafür wäre allerdings, wenn öffentliche Investoren so viel Kapital – sagen wir, über den Daumen gepeilt, einmal 30 Mrd. Dollar – zusammenbringen würden, dass Fannie und Freddie sorglos Geld einsetzen könnten, um den in Not geratenen Immobilienmarkt zusammenzuflicken, ohne dabei befürchten zu müssen, in absehbarer Zeit die Kapitalobergrenzen zu überschreiten. Das ist ein schöner Gedanke. Aber angesichts ihrer Vorgeschichten, scheint dies ein bisschen weit hergeholt zu sein.

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