Fannie und Freddie
Gesundes Misstrauen

Die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac sind eingebrochen. Die Zukunft der US-Immobilienfinanzierer ist alles andere als klar umrissen. Selbst wenn man ihre Kreditverluste einmal außer Acht lässt, sind die Auswirkungen ihres Einsatzes als politische Werkzeuge der Regierung und ihre mutmaßliche Unterstützung seitens der Steuerzahler undurchsichtig. Die Aktionäre haben Recht, wenn sie misstrauisch sind.

Die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac sind am Montag bis zum späten New Yorker Handel um fast zwanzig Prozent gefallen. Die Zukunft der beiden US-Immobilienfinanzierer ist alles andere als klar umrissen. Selbst wenn man ihre Verluste aus Hypothekendarlehen einmal außer Acht lässt, sind die Auswirkungen ihres Einsatzes als politische Werkzeuge der Regierung und ihre mutmaßliche Unterstützung durch die Steuerzahler undurchsichtig. Den Großteil der unmittelbaren Risiken tragen die Aktionäre, auch wenn die Steuerzahler letztendlich vielleicht auch noch dran glauben müssen.

In gewisser Hinsicht sitzen die beiden von der US-Regierung gestützten Gesellschaften im selben Boot wie andere Finanzunternehmen. Die Preise für Wohnimmobilien fallen schneller und tiefer als erwartet. Die Hypothekendarlehen sind folglich stärker vergiftet als ursprünglich angenommen. Viele Unternehmen, Fannie und Freddie eingeschlossen, haben die Investoren um frisches Kapital ersucht. Viele, darunter möglicherweise auch die beiden staatlich gestützten Firmen, werden trotzdem noch einmal mit dem Hut in der Hand herumgehen müssen.

So gesehen fühlen sich die Aktionäre mittlerweile vielleicht in der Lage, einmal zu versuchen, die Sachlage in Zahlen zu fassen. Wie bei anderen Finanzwerten müssen sie vielleicht auch einsehen, dass viele mögliche Anbieter von frischem Kapital entweder nichts mehr in ihren Brieftaschen oder dass sie die Hände fest in den Taschen vergraben haben.

Bei Fannie und Freddie kommen aber auch noch andere Probleme ins Spiel. Es erscheint wahrscheinlich, dass sie per Erlass aus Washington dazu gezwungen werden könnten, Geschäfte abzuschließen, die darauf abzielen, in Not geratene amerikanische Darlehensnehmer zu retten und nicht darauf, die Aktionäre reich zu machen.

Darüber hinaus könnte die implizite staatliche Unterstützung für die beiden Unternehmen unter diesen Umständen möglicherweise nur noch stärker werden, wodurch wiederum eher die Gläubiger von Fannie und Freddie - die auf eine Rückzahlung um jeden Preis hoffen können, - profitieren könnten und nicht ihre Aktionäre. Von den Aktionären könnte tatsächlich erwartet werden, dass sie ihren Anteil an möglichen weiteren Verlusten auf sich nehmen, besonders wenn die Steuerzahler zu einer breiter angelegten Rettungsaktion herangezogen werden würden.

Dazu kommt noch, dass die Bilanzskandale der vergangenen Jahre - auch wenn man sich ihnen in der Zwischenzeit gewidmet hat - wohl kaum der Vertrauensbildung förderlich waren, wenn die beiden Gesellschaften jetzt Finanzberichte vorzulegen versuchen, die die düstere Realität abbilden.

Die Aktien beider Immobilienfinanzierer haben im vergangenen Jahr in etwa 80 Prozent an Wert verloren. Trotzdem - jetzt eine Wette abschließen zu wollen, scheint immer noch genau so unvorhersehbar zu sein wie der Kauf eines Lotterietickets, da das Risiko besteht, dass die Regierung einen Teil des Jackpots an sich reißen wird. Die Situation könnte geklärt werden, wenn man die beiden Giganten entweder verstaatlicht oder ihre Verbindung zur Regierung kappt. Beides erscheint unwahrscheinlich. Die Aktionäre haben Recht, wenn sie misstrauisch sind.

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