FDIC
Ein bisschen mehr Prophylaxe

Das US-Einlagensicherungsinstitut FDIC könnte von den Banken verlangen, ihre Gebühren für die kommenden drei Jahre im Voraus zuzahlen, um so seinen ausgebluteten Einlagensicherungsfonds aufzubessern. Doch neunzig Prozent der Kreditinstitute hatten keine Beiträge entrichtet, als ihre Gewinne robust waren. Diese pro-zyklische Politik bestrafte die Umsichtigen und belohnte die risikofreudigen Geldgeber.
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Das US-Einlagensicherungsinstitut FDIC muss die Prophylaxe in seinen Behandlungskatalog aufnehmen. Dem FDIC-Fonds für die Versicherung von Bankeinlagen gehen die Mittel aus, deshalb hat die Behörde von ihren Schützlingen die Vorauszahlung ihrer Gebühren für drei Jahre verlangt. Doch neunzig Prozent der Kreditinstitute hatten von 1996 bis 2006, als ihre Gewinne solide waren, keine Beiträge geleistet. Diese pro-zyklische Politik bestrafte die Umsichtigen und belohnte die risikofreudigen Geldgeber.

Laut Gesetz muss der FDIC-Fonds bei mindestens 1,15 Prozent der versicherten Einlagen gehalten werden. Das Institut stellt dies sicher, indem es die Banken basierend auf ihren Einlagen und aufgrund der Bewertung ihres Gefährdungspotenzials seitens der Aufsichtsbehörden veranlagt. Wenn der Fonds die Marke von 1,35 Prozent der Einlagen erreicht, erhalten erstklassig bewertete Banken eine 50prozentige Rückvergütung auf ihre Beiträge. Wenn der Fonds bei 1,5 Prozent der versicherten Einlagen steht, beträgt die Erstattung 100 Prozent.

Dadurch ergeben sich zwei große Probleme. Zunächst einmal sind diese Schwellen zu niedrig, um das Wiederauffüllen des Versicherungsfonds über den Bankenzyklus hinweg zu gewährleisten. Der durchschnittliche Umfang des Fonds hatte in den zehn Jahren vor der Finanzkrise bei etwa 1,3 Prozent der Einlagen gelegen. Selbst wenn man die jüngsten Regeländerungen, die dieses Niveau ein wenig anheben, berücksichtigt, hat sich die Größe dieses Puffers als bedauerlich unzureichend erwiesen. Daher muss das FDIC jetzt auch den Hut herumreichen.

Zweitens waren die Aufsichtsbehörden bei ihrer Einschätzung des Gefährdungspotenzials von Banken zu lässig. IndyMac liefert dafür ein augenfälliges Beispiel. Der Zusammenbruch des kalifornischen Hypothekenfinanzierers wird das FDIC ungefähr neun Mrd. Dollar kosten. Doch während der rund zehn Jahre seiner Eigenständigkeit hatte IndyMac keine Einlagenversicherungsprämien gezahlt, weil es von seinen Hauptaufsichtsbehörden als sicheres Institut eingestuft worden war, zuletzt noch von der US-Sparkassenaufsicht.

Doch beide Probleme sind lösbar. Die Gesetzgeber könnten die Kreditinstitute zwingen, fortdauernd Gebühren an den FDIC-Fonds zu entrichten, so dass das Soll an Mitteln in guten Zeiten - als Vorbereitung auf die schlechten - übererfüllt wird. Eine derartige Struktur würde zudem den Wildwuchs riskanter Institute etwas eindämmen, weil sie mehr zahlen müssten als sicherere. Und Finanzfirmen, die scheitern, hätten so zumindest im Voraus mehr Mittel zu den Kosten beigesteuert, die durch die Aufräumarbeiten entstehen.

Und die Aufsichtsbehörden könnten die Institute kritischer bewerten, um sicherzustellen, dass die risikobasierten Abgaben wie die FDIC-Veranlagung wie erwartet funktionieren. Es wäre zudem möglich, dass die größten unter den Firmen, die als zum Scheitern zu groß gelten, zusätzliche Zahlungen entrichten. Schließlich stellen sie eine enorme Belastung für den FDIC-Fonds dar, wenn eine von ihnen in Schwierigkeiten gerät.

Sicher, der FDIC-Fonds ist jetzt so ausgeblutet, dass es Jahre dauern wird, bevor er wieder die derzeitige Obergrenze erreicht. Aber man löst ein Problem am Besten dann, bevor es wieder auftritt. Es wird Zeit, dass die Gesetzgeber den FDIC-Fonds antizyklisch ausrichten.

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