Fed-Auktion
Der Vorteil der Anonymität

Die Banken haben sich auf die von der Fed angebotenen Kredite über 20 Milliarden Dollar gestürzt. Dadurch ist der Zins so stark gestiegen, dass er gerade einmal zehn Basispunkte unter dem stigmatisierten Diskontsatz liegt. Das könnte zu einer erneuten Vertrauenskrise führen. Die Fed wäre besser beraten, ihre Diskontfenster-Politik zu ändern, um der Liquidität aufzuhelfen.

Die Kapitalgeber – von Merrill Lynch über Citigroup und bis zuletzt auch Morgan Stanley – sind wiederholt von größer als erwartet ausgefallenen Abschreibungen im Zusammenhang mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität überrascht worden. Die Angst der Banken vor zu großen Risiken bei ihrer Gegenpartei hat dazu geführt, dass der Interbankenmarkt erstarrt ist. Daher ist es verständlich, dass die Banken sich auf die gerade von der US-Notenbank Fed versteigerten einmonatigen Kredite über 20 Mrd. Dollar gestürzt haben.

Und das, obwohl die Kredite im Rahmen der Term Auction Facility (TAF) der Fed nicht billig sind. Sie kosten gerade einmal zehn Basispunkte weniger als der Strafdiskontsatz der Notenbank – der dieselben Sicherheiten erfordert – und sie liegen um 28 Basispunkte unter dem Ein-Monats-Libor in US-Dollar, dem Satz, den sich die Banken untereinander für Ausleihungen in Rechnung stellen.

Da sich die Geldgeber über die Risiken bei ihrer Gegenpartei Sorgen machen, ist es verständlich, sich Kredite eher über eine anonyme Auktion beschaffen zu wollen als am stigmatisierten Diskontfenster. Sich dort anzustellen, wird als Zeichen für eine angespannte Lage gewertet. Und das ist das letzte Signal, das eine Bank derzeit ausstrahlen möchte, wenn sie weiter Zugang zu den Kapitalmärkten haben will.

Allerdings wird auch die Tatsache, dass 93 Banken Gebote für Kredite über 62 Mrd. Dollar eingereicht haben, wenig dazu beitragen, die Nerven zu beruhigen. Zugegeben, einige haben vielleicht auf gut Glück ein niedriges Gebot abgegeben, um so vielleicht doch noch billig an einen Kredit zu kommen. Aber die Ergebnisse der Versteigerung zeigen, dass der Markt nach wie vor äußerst angespannt ist.

Die Fed könnte mehr zur Entspannung beitragen, wenn sie ihre dem Untergang geweihte Politik der Ausleihungen am Diskontfenster ändern würde. Ein Ansatz wäre es, den Vorgang – zumindest vorübergehend – gegenüber der Außenwelt anonym zu gestalten. Natürlich müsste die Fed sicherstellen, dass die Fazilität nicht missbraucht wird. Das könnte sie erreichen, indem sie die Anforderungen für die Sicherheiten erhöht, oder indem sie den Diskontsatz nur um ein klein wenig anhebt. Der Diskontsatz liegt momentan einen halben Prozentpunkt höher als der breitere Zielsatz für Fed Funds. Ad-hoc-Lösungen wie die TAF haben ihre Vorzüge. Aber einen ihrer beiden schon bestehenden Haupthebel zur Umsetzung ihrer Politik während einer substantiellen Liquiditätskrise nicht zu nutzen, ergibt wenig Sinn.

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