Fed-Auktion
Konzertierter Ansatz

Im Schulterschluss mit Zentralbanken aus Europa und Kanada will die Fed Darlehen zu Zinssätzen anbieten, die den Libor schlagen dürften. Damit könnten die Banken vorerst auskommen. Aber die Schritte greifen zu kurz, um die Liquiditätsprobleme des Interbankenmarkts zu lösen. Und eine Bank, die einer unerwarteten Krise gegenübersteht, könnte die Darlehen allein aufbrauchen und damit de facto eine Rettungsaktion durch die Fed eingefädelt haben.

Die Zentralbanker reden gern über die internationale Zusammenarbeit. In Wirklichkeit gehen sie dann aber oft lieber ihren eigenen Weg. Deshalb zeigt die konzertierte Aktion der Währungshüter in Nordamerika und Europa, dem taumelnden Interbankenmarkt Liquidität zuzuführen, wie ernst die Notenbanker die Angelegenheit nehmen. Aber noch haben sie das Schleusentor nicht geöffnet. Und wenn sie damit nicht mehr Probleme verursachen wollen, als sie lösen, dann sollten sie das auch nicht tun.

Im Wesentlichen werden die Fed, die EZB, die SNB und die Bank of Canada den Banken in einer Reihe von Versteigerungen insgesamt Darlehen über 67 Mrd. Dollar mit einer Laufzeit von etwa einem Monat anbieten. Das meiste davon wird die Fed beisteuern. Die Bank of England wird den Umfang ihrer dreimonatigen Wertpapierpensionsgeschäfte anheben. Und die meisten Zentralbanken werden das Spektrum der Sicherheiten, die sie akzeptieren, ausweiten.

Auf den ersten Blick sieht der Plan clever aus. Zunächst einmal zielt er auf das tatsächliche Problem ab, nämlich die ins Stocken geratene Liquidität auf dem Interbankenmarkt. Das ist viel besser als eine Zinssenkungsstrategie, die mit viel Theaterdonner daher kommt. Auch der Zeitpunkt ist günstig. Das Programm mag dazu beitragen, eine weitere Belastung für den Interbankenmarkt auszugleichen, die durch den zusätzlichen Liquiditätsbedarf der Banken für deren Bilanzkosmetik zum Jahresende ausgelöst werden könnte. Und trotz der schlagzeilenträchtigen Zahlen ist der Umfang des Programms tatsächlich eher bescheiden. Allein am Mittwoch hatte die Fed als Teil ihrer üblichen Marktoperationen Gebote für Repos über rund 28 Mrd. Dollar akzeptiert.

Aber es gibt auch Bedenken. Erstens einmal wird es jetzt noch unwahrscheinlicher, dass irgendeine Bank Ausleihungen am Diskontfenster der Fed vornimmt. Dort werden zwar eine größere Vielfalt an Sicherheiten entgegengenommen und Kredite an einen größeren Pool von Institutionen vergeben werden, als die Fed dies bei ihren Wertpapierpensionsgeschäften tut, wo aber auch ein halbes Prozent mehr Zinsen verlangt werden.

Denn die US-Notenbank wird für ihre neuen Kredite dieselben Schuldner und Sicherheiten zulassen wie bei ihren Ausleihungen am Diskontfenster. Und der Mindestzins für die Auktionen soll bei dem vom Markt für die Laufzeit der Kredite erwarteten Fed-Funds-Satz liegen. Da viele Beobachter davon ausgehen, dass die US-Zentralbank ihre Zinssenkungen weiterführt, könnten das etwa vier Prozent sein.

So könnten sich die Banken diese Darlehen billiger sichern, als dem peinlichen Vorgang der Ausleihungen am Diskontfenster ausgesetzt zu sein, deren Kosten sich derzeit auf 4,75 Prozent belaufen. Es ist sogar noch wahrscheinlicher, dass diese Kredite billiger sein werden, als sich Geld bei anderen Banken zu beschaffen, da der Einmonats-Libor derzeit bei 5,1 Prozent steht.

Das wird vor allem schwachen Institutionen gefallen – und genau da liegt das Risiko. Banken, die sich ernsten Problemen gegenübersehen, könnten versucht sein, sich bei den Auktionen große Teile dieser Kredite zu sichern. Sie würden so de facto eine Rettung durch die Zentralbanken einfädeln. Die britische Northern Rock allein hat öffentliche Kredite über rund 50 Mrd. Dollar geschluckt und damit ein Extrembeispiel dafür geliefert, wie das Engagement einer Zentralbank eskalieren kann.

Um dies zu vermeiden, werden die Fed und ihre Mitspieler die finanzielle Gesundheit der Banken, die an den Versteigerungen teilnehmen wollen, sorgfältig prüfen müssen. Und sie müssen sicherstellen, dass allen Banken klar ist, dass es sich dabei um eine Notlösung handelt, der man nicht erlauben wird, in eine kostenlose Rettung für alle auszuufern.

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