Fed/Bear Stearns
Eine schwierige Bärenjagd

Natürlich würde der Chairman der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, die Vorgänge um Bear Stearns niemals als Rettung darstellen. Aber er argumentiert, das Problem der Investmentbank sei die Liquidität und nicht das Kapital gewesen. Und unter weniger instabilen Marktverhältnissen hätte die Fed das Institut vielleicht seinem Untergang überlassen. Solche Nuancen unterstreichen die Herausforderungen, vor denen die Aufsichtsbehörden stehen.

Es war richtig, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Rettung von Bear Stearns durch JPMorgan eingefädelt hat. Diese Meinung vertrat der Fed-Chairman Ben Bernanke am Mittwoch bei einer Anhörung vor dem US-Kongress. Es habe sich nicht um eine Rettung gehandelt, schließlich hätten die Bear-Aktionäre fast alles verloren. Aber die Zwischentöne der Analyse des Notenbankchefs unterstreichen die Herausforderungen, vor denen die Aufsichtsbehörden stehen.

Da geht es zunächst einmal um die Frage der Rettung. Es stimmt schon, dass die Aktionäre von Bear Stearns sehr wenig abbekommen haben. Allerdings waren die etwa zehn Dollar je Aktie doch eine ganze Menge mehr als der ursprünglich von der Fed empfohlene Deal über zwei Dollar je Aktie. Aber es besteht kein Zweifel, dass die Gläubiger von Bear tatsächlich gerettet worden sind. Und das ist genau das, was die US-Zentralbank auch beabsichtigt hatte. Sie wollte verhindern, dass systemische Dominosteine umkippen, während das Netz der Gegenparteien von Bear sich mit deren Pleite hätte herumschlagen müssen, die ohne die Intervention der Fed unvermeidlich gewesen wäre.

Dann geht es um die Auffassung Bernankes, das Problem von Bear sei die Liquidität und nicht das Kapital gewesen. Die Aufsichtbehörden tendieren dazu, sich auf das Kapital zu konzentrieren. Wenn die Wächter – in diesem Fall die US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission – der Meinung sind, die Kapitalausstattung einer Firma sei angemessen und sie dann doch im Handumdrehen aufgrund von Liquiditätsproblemen in die Pleite gezwungen werden kann, dann scheint da etwas nicht zu stimmen. Aber Liquidität ist so eng verwoben mit der Stimmung des Markts, der Gegenparteien und der Investoren, dass es fast unmöglich ist, sie objektiv zu bewerten oder sicher zu sein, ob ein jegliches Urteil über den Moment hinaus, in dem es gefällt wurde, gültig ist.

Darüber hinaus sagte Bernanke, die Fed hätte Bear vielleicht geradewegs scheitern lassen, wären die Märkte nicht in einer solch instabilen Verfassung gewesen. So hat die negative Stimmung nicht nur bei dem schnellen Abrutschen von Bear in die Pleite-Zone ein Rolle gespielt – auch wenn es die Chefs der Firma waren, die sie so anfällig gemacht hatten -, sie hat auch zum Überleben des Wertpapierhauses beigetragen, wenn auch nur als Teil von JPMorgan.

Eine weitere Anhörung vor dem US-Kongress am Donnerstag sollte noch mehr Licht in die Bear-Saga bringen. Bernanke, sein Kollege von der New Yorker Fed, Tim Geithner, Vertreter der SEC und des Finanzministeriums sowie die Chefs von JPMorgan und Bear werden erwartet. Der Fed-Chairman hat die Gründe für sein Eingreifen bereits dargelegt. Das Problem ist, dass seine nuancierte Argumentation nur untermauert, wie schwer es für die geldpolitisch Verantwortlichen ist, die richtigen aufsichtsrechtlichen Parameter festzulegen – und wie schwer für die Aufsichtsbehörden, diese dann aus dem Stegreif umzusetzen.

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