Fed-Chef im Rampenlicht
Bernanke muss den Kompromiss mit dem Kongress suchen

Die Bemühungen des Chefs der US-Notenbank Federal Reserve, politische und öffentliche Unterstützung zu gewinnen, haben viele noch längst nicht überzeugt. Wenn er das Ruder bei der Zentralbank in der Hand behalten und seine vermeintliche Unabhängigkeit bewahren will, sollte der ehemalige Akademiker besser ein größeres Maß an Realismus zeigen.
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Die Bemühungen des Chefs der US-Notenbank Federal Reserve, politische und öffentliche Untersützung zu gewinnen, haben viele noch längst nicht überzeugt. Wenn er das Ruder bei der Zentralbank in der Hand behalten und seine vermeintliche Unabhängigkeit bewahren will, sollte der ehemalige Akademiker besser ein größeres Maß an Realismus zeigen und Kompromisse mit dem Kongress eingehen.

Am Donnerstag steht Bernanke vor dem Finanzausschuss des Senats, um sich einer Anhörung für eine weitere Amtszeit zu stellen. Wie auch ein diese Woche in der Washington Post veröffentlichter Kommentar zeigt, beruht seine Strategie bisher darauf, die Rolle des nachdenklichen Professors zu spielen, der geduldig die Handlungen der Notenbank entmystizifiziert und eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung der US-Wirtschaft während der Kreditkrise innehat, während er einer stärkeren Aufsicht über seine Aktivitäten durch den Kongress widersteht.

Nur ein Fünftel der Amerikaner unterstützt derzeit einer Rasmussen-Umfrage zufolge Bernankes Wiederernennung. Angesichts dessen dürfte er mit bohrenden Fragen des Ausschusses rechnen. Er wird zwar die Anhörung trotzdem fast sicher überstehen und am Ende die 60 Stimmen zu seinen Gunsten zusammenbekommen, die er im Senat benötigt. Er könnte sich aber bewähren müssen. Senator Bernie Sanders hat Bernankes Nominierung auf Eis gelegt und damit fürs Erste jede Abkürzung zu seiner Bestätigung versperrt.

Der Notenbankchef kann zudem mit vielen Gegenstimmen rechnen, es könnten vielleicht sogar doppelt so viele werden wie bei Paul Volcker, der 1983 immerhin 16 Nein-Stimmen erhielt. Sicher wird Bernanke mehr wollen, als nur mit einer historisch knappen Mehrheit im Amt zu verbleiben. Es wäre deshalb wichtig, die Opposition zu entkräften.

Ein guter Anfang könnte sein, Kommentare zu vermeiden, in denen die tolerierende Rolle der Notenbank bei der Entstehung der vor der Krise aufgeblähten Marktblasen kleingeredet wird. Mehr Transparenz könnte auch das von Abgeordneten geäußerte Verlangen nach mehr Kontrolle der Notenbankaktivitäten verringern. So könnten die Sitzungsprotokolle des Offenmarktausschusses schon Tage nach der Sitzung veröffentlicht werden, nicht erst nach Monaten. Wie Jean-Claude Trichet, der Chef der Europäischen Zentralbank, könnte Bernanke zudem Pressekonferenzen direkt nach den Sitzungen des Offenmarktausschusses abhalten.

Bernanke sollte auch darüber nachdenken, von der Idee Abstand zu nehmen, die Federal Reserve zum Überregulator für systemische Risiken in den Vereinigten Staaten zu machen. Er könnte sich zwar in Bezug auf die Kompetenzen der Notenbank durchsetzen, doch die Ansammlung von Macht bei gleichzeitiger Zurückweisung von Rechenschaftspflichten ist eine politische Nullnummer. Etwas weniger Machtfülle könnte für Bernanke bedeuten, viel mehr Unterstützung in Washington und bei den US-Bürgern zu gewinnen.

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