Fed/Deflation
Die Politik der US-Notenbank ist hochriskant

Die Fed weitet ihre Bilanz noch stärker aus und zwar um eine Billion Dollar, darunter um Staatsanleihen über 300 Mrd. Dollar. Doch das Tempo des US-Abschwungs scheint sich zu verlangsamen, während überhaupt keine Anzeichen für eine Deflation auszumachen sind. Die Fed-Politik ist jetzt hoch riskant. Eine wieder auflebende Inflation könnte schneller als erwartet zuschlagen.
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Die US-Notenbank Federal Reserve erweitert ihre Bilanz um weitere eine Billion Dollar, darunter sind Staatsanleihen über 300 Mrd. Dollar. Dies teilte der Offenmarktausschuss der Fed am Mittwoch mit. Doch das Tempo des US-Wirtschaftsabschwungs scheint sich zu verlangsamen, während weit und breit keine Anzeichen für eine Deflation auszumachen sind. Die Fed-Politik ist nun hoch riskant und ein Wiederaufleben der Inflation könnte schneller als erwartet zuschlagen.

Der Offenmarktausschuss erwartet nach eigenen Angaben, dass die Teuerung gedrückt bleibt, wobei ein Risiko bestehe, dass sie "eine Weile anhaltend hinter den Raten zurückbleibt, die das Wirtschaftswachstum am besten fördern". Zu bemerken ist, dass die Fed dieses Mal keine tatsächliche Deflation prognostiziert. Das ist keine große Überraschung, denn der Verbraucherpreisindex insgesamt war im Februar um 0,4 Prozent bzw. um 4,8 Prozent auf Jahresbasis gestiegen, während sich auch in der Kernberechnung ein Zuwachs ergab, nämlich um 0,2 Prozent. Die Konsumentenpreise der Fed von Cleveland beliefen sich im Mittel auf plus 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die an den Erzeugerpreisen abzulesende Teuerung war im Februar marginal rückläufig, wobei der Gesamtindex um 1,2 Prozent binnen Jahresfrist zulegte und in der Kernberechnung eine Steigerung um 2,4 Prozent aufzeigte.

Gleichzeitig legen die unerwartet starken Einzelhandelsumsätze für Februar, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden, und die Indexstände des Institute for Supply Management der Einkaufsmanager nahe, dass sich der wirtschaftliche Abschwung verlangsamt.

Die Erfahrungen der siebziger Jahre in den USA und in Großbritannien zeigen, dass die Theorie der Fed, dass die Inflation nicht gleichzeitig Hand in Hand mit einer Wirtschaftsflaute gehen kann, falsch ist. Daher könnte eine übermäßig inflationäre Monetär- oder Fiskalpolitik sehr schnell zu einer sich beschleunigenden Teuerung führen, selbst während die Rezession fortdauert.

Besonders riskant ist der von der Fed vorgeschlagene Erwerb von langfristigen Staatsanleihen über 300 Mrd. Dollar, wenn man ihn mit den Budgetdefiziten der Regierung von Obama auf Rekordhöhe kombiniert. Sich umfangreiche Etatfehlbeträge zu leisten und diese durch den Kauf von Schuldtiteln durch die Zentralbank zu monetarisieren, ist eine hoch inflationäre Politik, die bereits eine Vielzahl von aufstrebenden Märkten in Schwierigkeiten gebracht hat.

Der breit gefasste Geldmengenzuwachs, ob gemessen am Aggregat M2 oder an der MZM-Kennzahl der Fed von St. Louis, beläuft sich seit vergangenem September auf mehr als 15 Prozent jährlich. Durch die zusätzliche Expansion der Bilanz der Fed um eine Bill. Dollar dürfte sich diese Tendenz sehr wahrscheinlich verstärken. Die Auswirkungen mögen sich kurzfristig noch nicht so deutlich niederschlagen. Aber an irgendeinem Punkt ist eine Rückkehr der Inflation - und zwar wahrscheinlich mit Macht - fast unvermeidlich.

Die Fed wird dann mit der Reaktionsschnelligkeit und äußersten Entschlossenheit eines Rennfahrers eine politischen Kurswende einleiten müssen. Leider stehen die Chancen schlecht, dass ihr das gelingen wird, bevor sich die Inflation nicht schon eingenistet hat.

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