Fed-Liquidität
Öl ins Repo-Getriebe

Die Händler setzen darauf, dass die Liquiditätszufuhr der Fed den blockierten Markt für Wertpapierpensionsgeschäfte des Treasury aufbrechen wird. Aber die Banken, die vor dem Ende des Quartals verzweifelt Liquidität benötigen, könnten die bereitgestellten Mittel mit Leichtigkeit aufsaugen.

Der Markt für kurzfristige Kredite, die durch US-Staatstitel besichert sind, leidet unter der an der Wall Street gerade extrem ausgebildeten Mentalität, die sich am besten mit dem Sprichwort "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach" umschreiben lässt. Die Jagd nach US-Schatzpapieren hat dem Markt Liquidität entzogen und seine Funktionsmuster verzerrt. So haben zum Beispiel Kapitalgeber Zinsen an Kreditnehmer gezahlt - anstatt andersherum -, um Treasuries in die Hände zu bekommen, die als Sicherheiten dienen. Die Fed hofft darauf, den Normalzustand wieder herstellen zu können, indem sie am 27. März Schatzpapiere über 75 Mrd. Dollar in Form von befristeten Wertpapierpensionsgeschäften anbietet. Aber besorgte Banken könnten diesen Betrag mit Leichtigkeit absorbieren. Der entscheidende Repo-Markt mit einem Tagesvolumen von sechs Bill. Dollar könnte so weiter in der Schwebe bleiben.

Das Horten von Kapital seitens der Banken hatte bereits zwei Konsequenzen. Zum einen ist die Zahl der "gescheiterten" Wertpapierpensionsgeschäfte, bei denen der Kapitalgeber sich weigert, die aus Treasuries bestehenden Sicherheiten an den Darlehensnehmer zurückzugeben, in den vergangenen Wochen explodiert. In der ersten März-Woche sind fast 900 000 Treasury-Repo-Abschlüsse schief gegangen. Diese Zahl war zwar in den darauf folgenden Wochen wieder jäh zurückgegangen, aber sie liegt immer noch weit über dem Normalniveau. Zum zweiten waren die Banken und Wertpapierhäuser so scharf darauf, sich US-Staatstitel zu beschaffen, dass sie dadurch die die Zinsen auf Repos in der vergangenen Woche in den Minusbereich gedrückt haben. Dies bedeutet, dass sie bereit sind, mehr auszuleihen, als der Nennwert der Treasury-Sicherheiten absichert.

Zugegeben, in den letzten Tagen hat sich schon etwas mehr Normalität abgezeichnet. Der Anleihemarkt hatte sich am 24. März auf breiter Front stark abgeschwächt, nachdem JPMorgan seinen Kauf von Bear Stearns umgestaltet hatte, der mit finanzieller Hilfe der Fed zustande gekommen war - ein Schritt, der die Unsicherheit gemildert und die Überzeugung genährt hatte, dass die US-Notenbank in Not geratene Finanzinstitutionen unterstützen wird. Und die Spanne zwischen dem Libor und den Treasury-Zinsen bei Papieren entsprechender Fälligkeit - ein Maßstab für die Einschätzung von Bankenrisiken durch den Markt - ist in der vergangenen Woche um mehr als einen halben Prozentpunkt geschrumpft, auch wenn sie immer noch dreimal so weit wie normal bleibt.

Aber der Liquiditätshunger der Banken scheint nicht sehr abgenommen zu haben. Für die Offerte der Fed gemäß ihrer Term Auction Facility über 50 Mrd. Dollar am Dienstag waren mehr Gebote eingegangen als bei der vergleichbaren Versteigerung vor zwei Wochen, auch wenn der Dollar-Betrag der eingereichten Gebote bei der jüngsten Auktion etwas niedriger war. Und während Morgan Stanley, Lehman Brothers und Goldman Sachs ihr stürmisches erstes Quartal zwar in relativ guter Verfassung überstanden haben, sind die Analysten für Merrill Lynch und die Banken, die ihr Erstquartal am Montag abschließen, weniger optimistisch.

Sicher werden die 75 Mrd. Dollar der Fed dazu beitragen, das verklemmte Getriebe des Repo-Markts zu schmieren. Aber bis die Wall Street nicht zu der Überzeugung gekommen ist, dass das Schlimmste ihrer Kreditverluste überstanden ist, solange dürfte die Liquiditätsbeihilfe der Fed wahrscheinlich nicht ausreichen, um den Motor wieder zum Laufen zu bringen.

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