Fed-Programm
Kontraproduktiver Dämpfer für Bankgewinne

Die relativ robusten Zinsmargen, die die Banken bei neuen Krediten einnehmen, stellen einen positiven Aspekt inmitten der derzeitigen Düsternis dar. Aber die Pläne der US-Notenbank, Staatsanleihen zu kaufen, haben zur Folge, dass sich die Renditekurve abflacht und sich dieser Vorteil verringert.
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Als Vikram Pandit und Ken Lewis, die Chefs von Citigroup und Bank of America, verkündeten, ihre Banken hätten in diesem Jahr einen guten Start hingelegt, sagten viele Analysten, dies sei ja wohl auch zu erwarten gewesen. Schließlich sind ihre Refinanzierungskosten fast zu vernachlässigen. Nimmt man noch einen akzeptablen Risikoaufschlag gegenüber den Zinsen der maßgeblichen Staatsanleihen dazu, die beträchtlich höher sind als die durchschnittlichen Kosten der Mittelaufnahme der Banken, dann sollten neue Kredite sich als recht rentabel erweisen.

Aber der Plan der US-Notenbank Federal Reserve, Staatsanleihen über rund 300 Mrd. Dollar zu kaufen, hat dazu geführt, dass die Benchmark-Zinsen eingebrochen sind. Nach der Ankündigung der Fed am Mittwoch waren die Renditen der zehnjährigen Treasuries um fast einen halben Prozentpunkt gefallen - das war der größte Rückgang seit mehr als 20 Jahren. Zweijährige Notes gaben 0,2 Punkte ab. Das bedeutet, dass der Gewinn der Banken bei der alltäglichen Kreditvergabe schrumpft - und genau diesen Bereich wollten die Aufsichtsbehörden eigentlich mit allen Mitteln wiederbeleben.

Natürlich könnten, wenn das Fed-Programm so funktioniert wie vorgesehen, und niedrigere Zinsen zum Beispiel die Vergabe von Hypothekendarlehen ankurbeln, die Gebühreneinnahmen der Banken die Differenz wieder wettmachen. Darüber hinaus muss die Regierung ihre sich aufblähenden Fehlbeträge finanzieren, was leicht dazu führen könnte, dass die längerfristigen Zinsen wieder nach oben gehen.

Für die Banken - wenn nicht gar für die Wirtschaft als Ganze - wäre dieser stärkere Unterschied zwischen kurz- und längerfristigen Zinsen, also eine steilere Rendite-Kurve, zu begrüßen. Die Nettozinsmargen der US-Banken - ihre Einnahmen aus der langfristigen Kreditvergabe abzüglich der Kosten für ihre Einlagen und Ausleihungen - hatten sich im vierten Quartal des vergangenen Jahres stark abgeschwächt, wie aus den Daten der Federal Reserve Bank von St. Louis hervorgeht.

Das ist ungewöhnlich, denn die Nettozinsmargen erhöhen sich in Rezessionen gewöhnlich. Aber in diesem Fall war eine Vielzahl billiger Darlehen, wie etwa revolvierende Kredite, während des Booms eingegangen worden, von den Kreditnehmern aber erst in Anspruch genommen worden, als sich der Abschwung beschleunigte.

Um dies auszugleichen, sollten die Banken mehr Kredite mit üppigeren Margen anstreben. Einer Regierungspolitik, die diese einengen könnte - selbst wenn dies eine unbeabsichtigte Folge ist - sollte mit Vorsicht begegnet werden.

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