Fed-Regulierung
Wachhund mit Muskeln

Die Fed sollte die Aufsicht über die gesamte Wall Street übernehmen. Dem scheint auch US-Finanzminister Hank Paulson zuzustimmen. Die US-Notenbank finanziert Investmentbanken, die streng genommen gar nicht ihrer Aufsicht unterliegen. Wie das Drama um Bear Stearns gezeigt hat, ist es unmöglich, diese von „wirklichen“ Banken zu trennen. Regulierungsanstrengungen aus einem Guss sind gefragt.

US-Finanzminister Hank Paulson hat angedeutet, das Regelwerk für die Aufsicht über die US-Finanzindustrie, das bisher aus bunt zusammen gewürfelten Zuständigkeiten besteht, reformieren zu wollen. Die US-Notenbank Federal Reserve vergibt jetzt Kredite an Investmentbanken, die traditionell immer der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) unterstanden hatten. Und die Fed hat zur Rettung von Bear Stearns beigetragen, weil die Probleme der Firma in den heutzutage eng miteinander verwobenen Märkten die im Einlagengeschäft tätigen Banken bedroht hatten, die der Aufsicht der Fed unterliegen. Der Fed stehen wirksame Instrumente zur Verfügung. Sie ist deshalb in einer guten Ausgangslage, Regulierungsanstrengungen anzuführen, die einfacher und schlüssiger sind und die die gesamte Wall Street umfassen.

Es ist kein Geheimnis, dass das derzeitige System ein einziges Durcheinander ist. Unterschiedliche Finanzinstitute - oder ihre verschiedenen Bereiche - werden einmal der Fed oder dem Einlagensicherungsinstitut, der Börsenaufsicht SEC, der Aufsichtsbehörde für den Terminhandel und der Bankenaufsichtsbehörde unterstellt, um nur einige der Wachhunde auf Bundesebene zu nennen, ganz zu schwiegen von den Ämtern der einzelnen US-Bundesstaaten.

Großbritannien hat schon seit langem die vielfältigen Aufseher in der Financial Services Authority zusammengefasst. Die FSA ist nicht unfehlbar - am Mittwoch hat die Behörde Mängel bei der Überprüfung des Hypothekenfinanzierers Northern Rock eingeräumt, der von der Regierung gerettet werden musste und dann verstaatlicht wurde. Aber zumindest kann sie einen ganzheitlichen Blick auf die Finanzmärkte werfen.

Die Fed handelt bereits mit den Investmentbanken, die auf ihrer Liste von zwanzig Primärhändlern stehen. Sie kennt sie also gut. Diese Beziehung und ihre Bilanz verleihen der Notenbank auch echte Durchschlagskraft. Die Fed hat traditionell ihre Macht und ihren Einfluss dazu genutzt, Umsicht zu ermutigen und Problemen bei Banken zuvorzukommen. Dies ist wohl von größerer Wichtigkeit als die eher im Nachhinein wirkende Ausrichtung der SEC auf Willfährigkeit und Einhaltung der Regeln, auch wenn diese selbstverständlich ihre Daseinsberechtigung hat.

Die Fed sitzt zudem bereits in Gremien wie dem Baseler Komitee, das die internationalen Bankenbestimmungen festlegt. Und die geldpolitische Rolle der US-Zentralbank verträgt sich gut mit dem Auftrag finanzieller Stabilität, wie ihre Reaktion auf den Crash am Immobilienmarkt und die daraus resultierende Verfassung der Wirtschaft gezeigt hat.

Natürlich ist auch die Fed nicht perfekt. Einige Kritiker argumentieren zum Beispiel, ihre Rettungsaktion für Bear Stearns sei zu spät gekommen. Hätte die Fed aber eher eingegriffen, hätte sie Beschwerden gerechtfertigt, die Zentralbank rette die Aktionäre der Firma. Bis jetzt sehen die Finanzexperten der New Yorker Fed-Niederlassung allerdings ziemlich clever aus. Das US-Finanzsystem braucht zwar mehr als nur die Ausweitung des Zuständigkeitsbereichs der Fed auf die gesamte Wall Street. Aber dies wäre schon einmal ein guter Anfang.

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