Fed
Zinssenkungen laufen ins Leere

Der Dow-Jones-Index legte in dieser Woche enorm zu, weil Anleger erwarten, die Fed werde am 11. Dezember die Zinsen erneut um einen Viertelpunkt senken. Aber die Bedingungen auf dem Interbankenmarkt legen nahe, dass der Funds-Satz der Fed für die Finanzmarktkrise keine Bedeutung mehr hat. Worauf es jetzt ankommt, sind Liquidität und Kreditrisiken.

Donald Kohn hat am Mittwoch den Dow Jones-Index um 331 Punkte nach oben befördert. Der Vize-Chairman der US-Notenbank Federal Reserve hatte geäußert, die Zentralbank würde “geschickt” auf die Schwierigkeiten auf den Finanzmärkten reagieren. Aber die Bedingungen auf dem Interbankenmarkt lassen darauf schließen, dass der Zielsatz für Fed-Funds, das wichtigste Steuerungsinstrument der Fed, keine Bedeutung mehr für die Krise hat. Viel wichtiger sind die Liquidität und die Kreditrisiken.

Eine weitere Senkung des Fed Funds-Satzes um 25 Basispunkte würde ihn auf ein Niveau von 4,25 Prozent bringen. Das liegt aber immer noch 129 Basispunkte über dem Satz für dreimonatige Schatzwechsel, da die Flucht in die Qualität die Renditen von Schatzwechseln und Schatzanleihen weit unter den Normalstand gedrückt hat. Dagegen wird der Libor - also der Zins, zu dem sich die Banken untereinander Geld ausleihen - weit über dem Fed-Funds-Satz und um 2,1 Prozentpunkte über dem Satz für Schatzwechsel gehandelt. Darin zeigt sich, von welchen Risiken sogar bei den Ausleihungen unter als erstklassig geltenden Banken ausgegangen wird.

Die Bewegungen beim Zielsatz für Fed Funds haben offensichtlich nur geringe Auswirkungen auf die Zinsen, zu denen sich die Kreditinstitute untereinander Geld leihen. Die zuständigen Behörden können den Markt nur erreichen, wenn sie gewaltige Mengen an Liquidität bereitstellen. Die Kreditlinie über 29 Mrd. Pfund Sterling, die das britische Schatzamt Northern Rock eingeräumt hat, und der Kredit über 51,2 Mrd. Dollar von der Federal Home Loan Bank of Atlanta an Countrywide zeigen, dass dies schon geschieht – in alarmierendem Umfang und zu beträchtlichen Risiken für den Steuerzahler.

Die Politik der US-Notenbank in den Jahren 1930 bis 1933 wurde vor allem deswegen kritisiert, weil sie es nicht geschafft hat, dem Bankensystem genug Liquidität zuzuführen. Die Zinsen waren fast auf Null gesenkt worden, aber die hohe Anzahl an Bankenkonkursen nach dem Dezember 1930 ließ die US-Geldmenge schrumpfen, wodurch sich die Große Depression verlängert und vertieft hat. Wenn das Vertrauen des Marktes verloren ist, laufen Zinssenkungen durch die Fed ins Leere. Stattdessen müssen die Notenbanken reichlich Liquidität bereitstellen, so dass die Banken, die Schwierigkeiten dabei haben, Kapital zu sammeln, weiter Ausleihungen an ihre Kunden vornehmen können.

Die heutige missliche Situation ist durch das übertrieben schnelle Geldmengenwachstum und die große Liquidität seit 1995 entstanden. Es war klar, dass die unsinnigen Kredite und Investitionen, die daraus hervorgegangen sind, zu irgendeinem Zeitpunkt kippen werden. Um eine Wiederholung der Jahre 1930 bis 1933 zu vermeiden, muss die Fed dem Bankensystem die Liquidität geben, die es braucht, auch wenn damit vermutlich eine höhere Inflation angefacht wird. Die Zinsen weiter zu senken, ist irrelevant geworden.

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