Federal Reserve
Das Ende der unabhängigen Zentralbank

Wenn der Kongress den Reformplänen Obamas zustimmt, wird der Einflussbereich der Fed auf der wirtschaftspolitischen Makroebene wachsen. Ihr Aufgabenfeld wird dadurch komplizierter und politisch. Aber der Vorstoß schreibt nur fest, was längst Realität geworden ist. Die Krise hat mit der Vorstellung aufgeräumt, dass Währungshüter im Elfenbeinturm operieren.
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Wie war es einst so einfach! Zentralbanken waren verantwortungsbewusst, zurückhaltend und politisch unabhängig. Aber während der Kreditkrise waren sie weder verantwortungsbewusst noch zurückhaltend. In der Zeit danach könnte zumindest eine Notenbank - die US-amerikanische Federal Reserve - nun auch einen Teil ihrer Unabhängigkeit einbüßen.

Präsident Barack Obama will eine unpolitische Fed mit neuer Macht ausstatten - um alle Institutionen zu beaufsichtigen, die für den Bestand des Systems von Bedeutung sind. Viele Kongressmitglieder wollen sich mit der neuen Makro-Mission nicht anfreunden. Sie schrecken vor einer Fed zurück, die politisch weitreichende Entscheidungen trifft, ohne die politische Weitsicht zu haben. Sie sind wohl auch skeptisch, welche Ambitionen Larry Summers, Obamas Wirtschaftsguru, verfolgt. Viele glauben, er habe ein Auge auf die Spitzenposition in der Fed geworfen.

Noch ist es zu früh, um zu sagen, wie der politische Schlagabtausch der Legislative enden wird. Aber eins ist klar, die Zentralbanker können nicht mehr länger von sich behaupten, sie seien eher Professoren als Politiker.

Diese Vorstellung jedenfalls stand noch hinter dem jüngsten geldpolitischen Modell. Die Notenbanker brauchten nur ihre Wirtschaftstheorie und praktische Erfahrung, um ihre Hauptaufgabe zu erledigen, den Leitzins festzulegen. Politische Erwägungen waren irrelevant und nur gefährliche Ablenkung.

Aber die reale Welt ist komplizierter. Die monetären Modelle machten die Zentralbanker überall auf der Welt nahezu blind gegenüber den Risiken der wachsenden Verschuldung, der steigenden Ungleichgewichte im weltweiten Handel und der kreativen Finanzkonstrukte. Die Fed unter Alan Greenspan handelte besonders unverantwortlich.

Jetzt stecken die Hände der Notenbanker tief in Entscheidungen, die alle irgendwie politisch sind - welcher Teil der Tripple-A-Kredite des Landes sollte in welche Wirtschaftssektoren fließen? Und die Fed kauft sogar Schuldtitel der US-Regierung. Das beißt sich mit dem ursprünglichen Gedanken einer unabhängigen Notenbank, wie ihn David Ricardo 1824 entwickelte: "Auf keinen Fall sollte [der Regierung] gestattet sein, sich bei denjenigen zu verschulden, die die Macht haben Geld zu schöpfen."

Wie der Obama-Plan auch ausgeht, die Zentralbanker werden sich daran gewöhnen müssen, ein stärker politisch angehauchtes Leben zu führen. Das gilt besonders für die Fed, die noch nie die gleiche Unabhängigkeit besaß wie ihre Schwesterinstitutionen in der Eurozone und Großbritannien. Das soll aber nicht bedeuten, dass die geldpolitischen Instanzen ihre Unabhängigkeit aufgeben sollen.

Trotz all ihrer Fehler ist es den Notenbankern oft gelungen, dem unverantwortlichen politischen Druck von gewählten Politikern zu entkommen.

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