Financial Times Deutschland enttäuscht: Ausstieg mit Tücken

Financial Times Deutschland enttäuscht
Ausstieg mit Tücken

Nach sieben Jahren FT Deutschland verkauft der britische Verlag Pearson seinen Anteil an der verlustbringenden Zeitung an Partner Gruner + Jahr. Der Ausstieg aus der größten europäischen Volkswirtschaft ist nicht gerade ideal und sollte FT Deutschland doch noch zur Erfolgsstory werden, könnte die europäische Financial Times das Nachsehen haben.

Der Ausflug der Financial Times nach Deutschland brachte nicht den erhofften Erfolg. Nach sieben Jahren verkauft der britische Verlag Pearson seine Hälfte der verlustbringenden FT Deutschland an seinen Geschäftspartner Gruner + Jahr. Als Bestandteil des Abkommens, das auf ein Volumen von 20 Millionen britische Pfund geschätzt wird, wird FT der vom Bertelsmann-Konzern kontrollierten Gruppe die Lizenz zur Nutzung der Marke Financial Times und ihres Inhalt für bis zu 10 Jahre überlassen.

Als Pearson die FT Deutschland am Markt einführte, erwartete der Verlag, dass die Zeitung mit dem markanten rosa Papier innerhalb von fünf Jahren in die Gewinnzone vorstößt. Genauso hoffte man auf einen Absatz von 120 000 Exemplaren pro Tag. Beide Ziele wurden nie erfüllt, der Breakeven allerdings soll in diesem Jahr endlich erreicht werden – etwa um die gleiche Zeit, wenn Pearson den Verkauf abgeschlossen haben will.

Für Pearson dürfte die Investition in die FT Deutschland ein kostspieliger Fehlgriff gewesen sein. Das Unternehmen hat die Kosten des Vorhabens nie veröffentlicht, aber eine Zeitung mit Hunderten von Journalisten auf den Weg zu bringen, die mit den nationalen Blättern konkurrieren kann, kann nicht billig gewesen sein. Dagegen erscheint der Preis für den Ausstieg armselig.

Der Verkauf passt zur Strategie Pearsons, sich von Unternehmensaktivitäten in Lokalsprache zu trennen und sich auf die englische Sprache zu konzentrieren. Im Dezember trennte sich Pearson für 240 Millionen Euro von der französischen Les Echos und 2004 verkaufte der Verlag seine spanische Zeitung für 743 Millionen Euro an Recoletos. Aber anders als bei diesen Beispielen hat der Abschied aus Deutschland zwei Haken. Erstens wird ein Produkt mit vollständigem FT-Branding der direkten Kontrolle der FT-Gruppe entzogen. Das sollte aber nicht zu einem allzu großen Problem werden. Pearson und Gruner + Jahr haben jahrelang zusammengearbeitet und das Abkommen umfasst auch den Schutz der redaktionellen Standards. Ein Stirnrunzeln aber bleibt.

Die größere Sorge liegt darin, dass FT Deutschland doch noch zu einem Erfolg werden könnte. In diesem Fall hätte Pearson dazu beigetragen, einen effizienten Konkurrenten in Europas größter Volkswirtschaft heranzuzüchten. Kommt es durch den Deal in Deutschland zu einer Verringerung der Absatzzahlen bei der englischsprachigen Financial Times, so wäre das erst Recht ärgerlich.

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