Finanzaufsicht
Beschuss aus den eigenen Reihen

Die Mitglieder der Bank of England sprdeln über vor Ideen, wie man künftige Bankenkrisen vermeiden kann. Während Notenbankchef Mervyn King die Banken aufspalten will, neigt sein Stellvertreter Paul Tucker dazu, die Kreditinstitute einer Mikro-Regulierung zu unterziehen. Tuckers Ideen sind beachtenswert. Aber die für ihre Umsetzung benötigte Feinabstimmung könnte mehr erfordern, als die Aufsichtsbehörden leisten können.
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Mervyn King scheint selbst in den eigenen Reihen kaum Anhänger für seine Ideen finden zu können. Während der Gouverneur der Bank of England (BoE) einen Plan zur Aufspaltung der Banken fordert, hat einer seiner Stellvertreter seine eigenen Vorstellungen zur Regulierung der Banken ausgearbeitet, wobei er allerdings davon ausgeht, dass die Institute nicht in Versorger und Casinos getrennt werden. Paul Tuckers Gedanken könnten sich als einflussreicher erweisen als die seines Chefs, denn sie stehen im Einklang mit der globalen Debatte - und nicht komplett im Widerspruch dazu.

Allerdings sind auch Tuckers Pläne nicht ganz unproblematisch. Sein maßgeblicher neuer Vorschlag, um künftige Übertreibungen zu verhindern - oder was in der Fachsprache der Banker als "makroprudentielle" Regulierung bezeichnet wird -, besteht darin, einen ausgesprochenen Mikro-Ansatz zu wählen. Tucker argumentiert überzeugend, dass die Abwandlung von Mindestkapitalquoten über den Zyklus hinweg - die Idee begeistert gegenwärtig die politischen Strategen - einem plumpen und ungenauen Schuss aus der Schrotflinte gleichkommen könnte. Dieses Vorhaben könnte das Wachstum in Sektoren untergraben, die keinen Boom erleben, während es in Boom-Bereichen vielleicht nicht weit genug reiche, um Kreditblasen zu zügeln.

Tucker schlägt stattdessen vor, dass die Risikogewichtungen für besondere Kategorien von Kreditnehmern über den Zyklus hinweg angepasst werden sollten. Auf diesem Weg wäre es zum Beispiel möglich, den Überschwang bei Gewerbeimmobilien abzufangen, ohne Zuwächse in der Industrieproduktion zu beschneiden.

Die Idee ist in der Theorie ausgezeichnet. Doch man muss sich schon fragen, ob die zuständigen Behörden wirklich das nötige Fingerspitzengefühl und Geschick dafür haben werden, dieses Skalpell auch wirksam zu schwingen. Und selbst wenn die britischen Regulierer die Aufgabe meistern könnten, wäre es schwierig, ein solches Mikro-Management auf globaler Basis abzustimmen. Und auch wenn Tucker vorbringt, dass es sich auch dann auszahlt, wenn man solo agiert, wäre es doch eindeutig vorzuziehen, die Behörden zur internationalen Zusammenarbeit zu bewegen.

Und schließlich werden sich Tuckers Gedanken gar nicht so einfach vermitteln lassen. Der stellvertretende BoE-Gouverneur fordert größere Rechenschaftspflichten und mehr Transparenz. Aber man fragt sich, wie eine künftige Änderung der Risikogewichtungen für Collateralized Debt Obligations der breiteren Öffentlichkeit kundgetan werden soll. Tucker hat die Debatte, wie künftige Krisen verhindert werden können, um einige wohl überlegte Anregungen bereichert. Aber zuerst wird er diese Einwände beantworten müssen, bevor seine Ideen abheben können.

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