Finanzbranche
Banken: Vom guten Start profitieren

Credit Suisse und Deutsche Bank sind die letzten Finanzinstitute, die den Jahresanfang 2009 loben. Ein heute blühendes Handelsgeschäft verdeckt aber die Kreditrückstellungen und regulatorischen Kapitalanforderungen von morgen. Ein guter Start wäre bedeutsamer, legten Banken dabei das Fundament für künftige Ertragsstärke.
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Die Riege der guten Starter unter den Banken wächst. Credit Suisse und Deutsche Bank sind die letzten Institute, die sich positiv über die ersten Monate des Jahres äußern. Es könnte aber gut sein, dass ermutigende Zeichen von heute die verhängnisvollen Neuigkeiten von morgen übertünchen. Zumindest für einige Banken werden diese neuen Entwicklungen wahrlich den Beginn einer neuen Ära markieren.

Die wohlklingenden Aussagen der Bankenbosse sind ein fast kompletter Umschwung gegenüber der Bestürzung, die Ende 2008 vorherrschte. Credit Suisse berichtete über einen "starken" Start in das Jahr 2009, während Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann von einem "guten" Start sprach. Ähnliche Kommentare waren zuvor schon von den US-Instituten Bank of America, JPMorgan und Citi gekommen. Citi-Chef Vikram Pandit sprach sogar vom besten Start seit sieben Quartalen.

Die gute Nachricht ist, dass der Wettbewerb nachgelassen hat, sodass die Gebühren hoch bleiben können. Trotz der Krise blühen dank der Marktvolatilität die Geschäfte im Handel mit Zinsen, Währungen und Rohstoffen. Staatsausgaben und Restrukturierungsmaßnahmen sind weitere neue Einnahmequellen.

Eine Schwalbe macht aber noch keinen Sommer. Dieses Frühjahr könnte sogar mehr dunkle Wolken als Sonne für die Banken bringen. Weil Kreditverluste langsam durchsickern, haben Finanzinstitute die meisten Schmerzen, die sich aus dem starken Rückgang der Wirtschaftsleistung in den letzten zwei Quartalen ergeben, noch gar nicht gespürt.

Auch derzeit noch gut laufende Bereiche werden sich abkühlen. Devisengeschäfte werden unter der schrumpfenden Wirtschaft und dem zurückgehenden Handel leiden, und quantitative Lockerungen dürften die Zinsstrukturkurve und die Gewinne im Zinsgeschäft abflachen lassen. Zudem wird die anhaltende Notwendigkeit einer stärkeren Kapitalbasis sich in einer geringeren Ertragsstärke niederschlagen.

Der "Gute Start" hat aber eine weitere, viel wichtigere Bedeutung. Im kreditfinanzierten Aufschwung legten Banker und Anleger gleichermaßen zu viel Gewicht auf die Gewinn- und Verlustrechnung, die Bilanz durfte sich ungestraft ausdehnen. In den letzten sechs Monaten kehrte sich dies komplett um.

Bilanzen dürften in Zukunft nie wieder außer Acht gelassen werden, selbst wenn Anleger derzeit zu sehr auf sie fixiert sind. Wenn Banken wieder dazu übergehen, den Gewinn- und Verlustrechnungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken, so könnte dies bedeuten, dass sie zumindest das Fundament für ihre künftige Ertragsstärke legen.

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