Finanzbranche
Bankengewinne: Spiel mit Handicap

3-6-3 war einmal. Die guten Zeiten, als die Banker sich für drei Prozent Geld liehen, es für sechs Prozent weiterverliehen und um drei Uhr den Stift fallen ließen, sind lange vorbei. Wie schwierig die Rückkehr der Banken zu diesem angestrebten einfachen Geschäftsmodell ist, zeigen die Resultate des ersten Halbjahrs.
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3-6-3 war einmal. Die guten Zeiten, als die Banker sich für drei Prozent Geld liehen, es für sechs Prozent weiterverliehen und um drei Uhr den Stift fallen ließen, sind lange vorbei. Wie schwierig die Rückkehr der Banken zu diesem angestrebten einfachen Geschäftsmodell ist, zeigen die Resultate des ersten Halbjahrs.

Britische Banken etwa: in der ersten Jahreshälfte sahen alle ihre Kredit-Margen schrumpfen. Die Nettozinsspanne der RBS fiel von 210 auf 173 Basispunkte. Sinkende Gewinnspannen kosteten Barclays und RBS jeweils mehr als zwei Mrd. Pfund, bei Lloyds Banking Group lag der Verlust laut HSBC-Schätzungen bei mehr als fünf Mrd. Pfund.

Die niedrige Zinspolitik trifft die Gewinnspanne der Banken, also die Differenz zwischen dem Basiszins und dem Satz, den sie auf Kundeneinlagen auszahlen. Während der Boom-Phasen machten die Banken genau dort ihre Gewinne. Der Basissatz lag einst bei vier Prozent, von denen man nur magere Plus-Zinsen von üblicherweise unter 0,5 Prozent an die Kunden weiter reichte.

Die Kehrseite bestand in Kreditzinsen, die durch die Konkurrenz gedrückt wurden. Der sogenannte "asset spread" - die Spanne zwischen Basissatz und den Zinsen auf die Kundenkredite - war schmal. Die vielgerühmte 3-6-3 sah in Wahrheit also eher nach 0-5-3 aus.

Derzeit ist das Gegenteil der Fall. Die Banken können die Plus-Zinsen nicht unter Null kürzen, schmerzhafte Gewinneinbrüche sind die Folge. Die Kreditgeber passen die Zinsen dennoch gerade nach oben an, um den Risiken Rechnung zu tragen: für Erstkunden liegt die Zinsrate für Zweijahres-"Tracker"-Hypotheken 300 Punkte über dem Basissatz, feste Sätze liegen bei 500 Basispunkten. Doch die Nachfrage ist verhalten.

Das wird nicht immer so bleiben. Steigende Basissätze werden die Margen auf Kundeneinlagen verbessern, die Gewinnspannen bei Krediten bleiben hoch. Doch der Druck der Behörden, unbesicherte Mittel durch stabilere Anlagen zu ersetzen, bedeutet auch, dass die Banken Einlagen auszahlen müssen. Und der Wettbewerb könnte breitere Gewinnspannen wieder zunichte machen.

Angesichts vieler strittiger Unwägbarkeiten im Regelwerk - etwa die Verbesserung der Liquidität durch größere Mengen an ertragsarmen britischen Staatsanleihen - sind größerer Aktiengewinne weiterhin schwierig. Die Rückkehr zu goldenen 3-6-3-Zeiten lässt auf sich warten.

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