Finanzgeier
Erst muss das Ei gelegt werden

Nach Finanzexzessen das Schlachtfeld abzugrasen, kann äußerst lukrativ sein. Doch nur wenige Firmen brechen im hellen Rampenlicht der Öffentlichkeit zusammen. Wall Street-Insider, die auch die Leichen im Keller kennen, erweisen sich meist als die besten Finanzgeier.
  • 0

Nach Finanzexzessen das Schlachtfeld abzugrasen, kann oft äußerst lukrativ sein. Doch nur wenige Unternehmen brechen spektakulär im hellen Rampenlicht der Öffentlichkeit zusammen. Kombiniert man diese beiden Beobachtungen, gelangt man zu einer unangenehmen Erkenntnis: Wer als Wall Street-Insider genau weiß, wo die meisten Leichen im Keller liegen, erweist sich meist als der beste Finanzgeier. Folgt man dieser Logik, dann wird die Kreditkrise eine neue Brut dieser Raubtiere hervorbringen.

Dem letzten Wurf diente größtenteils Drexel Burnham als Brutstätte. Leon Black von Apollo, Steve Feinberg von Cerberus, Bennett Goodman von Blackstone und eine Reihe kleinerer Geier erhoben sich alle aus den Ruinen der in Ungnade gefallenen Bank.

Die nahezu marktbeherrschende Stellung von Drexel Burnham bei Schrottanleihen hatte dazu geführt, dass die Banker der Firma die meisten in Not geratenen Unternehmen und deren Chefs sehr genau kannten - letztendlich trugen die Anleihen, die sie propagierten, zu den Schwierigkeiten dieser Unternehmen bei. Zudem kannten sich die Ex-Mitarbeiter von Drexel untereinander gut, was bei Verhandlungen immer von Nutzen ist. Von unschätzbarem Wert war auch ein Adressverzeichnis voller Kontakte zu Versicherungen und anderen, die ausfallgefährdete Kredite gekauft hatten - und diese dann los werden mussten.

Dieses Mal wird es mehr als nur ein produktives Nest geben. Keine Firma ist von hypothekenbesicherten Wertpapieren, Übernahmefinanzierungen, Gewerbeimmobilien oder irgendeinem anderen Bereich der Kreditübertreibung frei.

Die Abkömmlinge tauchen überall auf. Die Leiter der Abteilungen für strukturierte Finanzprodukte der Deutschen Bank und Black Rock kamen bei Fonds wieder zum Vorschein, die sich auf ausfallgefährdete Papiere spezialisiert haben. Und der ehemalige Chief Operating Officer von Countrywide hat eine Firma gegründet, die sich, wie witzig, PennyMac nennt und in angeschlagene Hypothekenvermögenswerte investiert.

Doch auch für die Investoren, die schon etwas länger mitmischen, gibt es immer noch viel zu tun. Apollo hat zum Beispiel jüngst einige Schuldtitel von Harrah?s gekauft, dem taumelnden Casinobetreiber in seinem Besitz.

Natürlich ist das Trümmerfeld dieses Atem beraubenden Fiaskos nicht immer der richtige Ort, um Geld zu scheffeln. Man denke nur an die American International Group. Ihr Geschäft mit den Credit Default Swaps war weitgehend darauf aufgebaut, die Kursunterschiede zu nutzen, die das "AAA"-Rating der Versicherungsgesellschaft bot. Diese Arbitrage-Möglichkeit ist verschwunden. Und Insider-Kenntnisse des AIG-Handelsbuch zu haben, scheint ein problematischer Weg zu sein, um reich zu werden. Selbst ein Ehemaliger, wenn er die zugrunde liegenden Wertpapiere überhaupt versteht, würde argwöhnisch beäugt, wenn er damit zu viel Geld verdiente. Und die Rolle, die die Regierung bei AIG eingenommen hat, würde sein Leben unvorhersehbar machen.

Doch gibt es ja jede Menge anderer Sammelbecken an verschmähten und billigen Vermögenswerten, die nur darauf warten, von ihren Erfindern ausgeräumt zu werden.

Kommentare zu " Finanzgeier: Erst muss das Ei gelegt werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%