Finanzierung
Hedgefonds stehen vor Engpass

Die meisten Hedgefonds manövrierten 2007 ohne großen Schaden durch die Finanzkrise. Das nächste Jahr wird sehr viel härter werden, da Banken das Volumen billiger Finanzierungen zurückschrauben. Die Lösung liegt darin, sich längerfristige Finanzierungen zu sichern – für viele Hedgefonds könnte es dazu allerdings schon zu spät sein.

Hedgefonds-Finanzierung: Die meisten Hedgefonds werden mit Genugtuung auf das Jahr 2007 zurückblicken. Schließlich ist es ihnen bisher gelungen, ohne größeren Schaden durch die Untiefen der Finanzkrise zu manövrieren. Das kommende Jahr könnte deutlich härter werden. Die wichtigste Herausforderung wird darin liegen, sich konkurrenzfähige – oder überhaupt irgendwelche – Finanzierungskonditionen zu sichern. Die Banken müssen erst einmal selbst ihre sehr viel höheren Refinanzierungskosten verdauen und mit der vielschichtigen Nachfrage nach ihrem knappen Kapital fertig werden.

Die meisten Hedgefonds setzen Kredite ein, um ihre Erträge aufzupeppen. Der durchschnittliche Verschuldungsgrad innerhalb der Branche liegt bei knapp dem Doppelten der verwalteten Vermögen. Allerdings variiert der Verschuldungsgrad je nach Strategie stark. Equity-Long/Short-Strategien – die verbreitetsten – arbeiten mit geringem Kredithebel. Dagegen nutzen viele Arbitragefonds einen sehr viel größeren Hebel. Die nötigen Mittel werden typischerweise von Primebrokern bereit gestellt, entweder in Form von Kreditlinien oder über Kauf- und Rückkaufsvereinbarungen für bestimmte Vermögenswerte oder Portfolios. Ein Großteil dieser Finanzierungen ist kurzfristig, ein Zeitraum von 90 Tagen wird selten überschritten. Und oft können die Banken – je nach Lust und Laune – Nachschussverpflichtungen, Zinssätze oder das zur Verfügung gestellte Finanzierungsvolumen ändern.

Bis August war der Wettbewerb unter den Primebrokern so groß, dass es für Hedgefonds ein Leichtes war, sich großzügige Finanzierungslinien zu sehr attraktiven Konditionen zu sichern – üblicherweise nur wenige Basispunkte über Libor. Nur wenige Banken konnten bei diesen Bedingungen Gewinne erwirtschaften. Einige hofften darauf, dass über die Primebroker auch Geschäft für andere Banksparten abfallen könnte. Aber die meisten verließen sich auf die rosige Aussicht, dass wachsende Marktanteile die Ausgaben schon rechtfertigen würden.

Ende 2007 scheinen die Hoffnungen allerdings zu schwinden. Der Libor für 3-Monats-Dollar steht fast 75 Basispunkte über der Fed Funds Rate. Gerade Broker-Dealer, die sich über den Markt für institutionelle Anleger refinanzieren, stehen vor Schwierigkeiten. Höhere Refinanzierungskosten müssen letztendlich an die Kunden weitergegeben werden. Die Hedgefondserträge werden darunter unvermeidlich leiden. Zur gleichen Zeit könnten die Banken zu dem Schluss kommen, dass es profitablere Wege gibt, die knappen Mittel einzusetzen, und den Geldhahn zudrehen oder ihn zumindest zurückzuschrauben.

Einen Vorgeschmack auf diese Situation erhielten die Hedgefonds bereits im August, als mehrere Primebroker ihre Konditionen anpassten. Seitdem übten sich die Banken allerdings wieder in Nachsicht mit der Branche. Die Ursache liegt zum einen darin, dass es Zeit braucht, bis die Finanzierungskonditionen aus dem Großkundengeschäft sich durch das System arbeiten. Zum anderen könnten einige Banken vor Reputationsverlusten zurückschrecken, die der Rückzug aus dem Primebrokergeschäft bringen könnte. Noch wichtiger aber, viele Banken haben Hedgefonds Kredite gewährt, um notleidende Vermögensbestandteile aus ihren Bilanzen herauszukaufen. Davon profitierte ihr Marktwert und Verluste aus Neubewertungen konnten vermieden werden. Wenn dieses Schwarze-Peter-Spiel aufhört, könnten Hedgefonds gezwungen sein, Vermögensbestandteile zu verkaufen und zusätzlich Unruhe am Markt verursachen.

Aber die Banken können Hedgefonds nicht bis in alle Ewigkeit schonen. Strategien, die nur mit großem Kredithebel aufgehen und solche, die in illiquide Vermögenswerte investieren, werden im kommenden Jahr unter Druck geraten. Für Hedgefonds, die zu dieser Kategorie gehören, heißt die Lösung, sich längerfristige Finanzierungsquellen zu sichern. Zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Jahr hat zum Beispiel der amerikanische Hedgefonds Citadel 500 Millionen Dollar über den Bondmarkt aufgenommen. Nach Angaben aus informierten Kreisen vereinbarte CQS, ein Londoner Fonds, langfristige Finanzierungskonditionen schon vor dem Eintritt der Finanzkrise. Aber die Zahl der Fonds, die diese Voraussicht bewiesen, ist gering. Für die anderen könnte es bereits zu spät sein.

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