Finanzkrise
Der Rettungsfonds ist kein Allheilmittel

Die Börsen jubelten vor Freude, als bekannt wurde, dass Uncle Sam die faulen Kredite der Banken übernehmen will. Doch die Aktion wird kompliziert, teuer und risikoreich. Und selbst wenn es dazu kommt, sind die Probleme nicht aus der Welt. Die Krise ist längst nicht ausgestanden.

Die Märkte sind von der Idee eines Hilfsfonds für faule Kredite begeistert. Die Ankündigung der amerikanischen Behörden, man denke über Wege nach, "die Banken von notleidenden Bilanzpositionen zu befreien", wurde lautstark bejubelt. Weltweit stiegen die Kurse daraufhin um 4 bis 8 Prozent. Viele große britische Banken legten gleich um 25 bis 40 Prozent zu. Aber selbst wenn die Regierung eine Lösung findet, den schmutzigen Schaum aus dem Finanzteich zu saugen und ihn in die eigene Bilanz zu übertragen, könnten weitere Probleme ins Haus stehen. Denn mit einer solchen Aktion ist die Ursache nicht beseitigt, die zur Überschuldung der Bankbilanzen geführt hat.

Details über den Plan gibt es bisher kaum und das ist kein Wunder. Die gute Nachricht: Politiker, Aufsichtsbehörden, Zentralbanker und Branchenführer sind inzwischen alle besorgt genug, um nahezu jedem Vorschlag zuzustimmen. Die schlechte Nachricht: Die Lösung wird kompliziert, teuer und risikoreich ausfallen.

Die Liste der Fragen ist entmutigend. Welche Positionen sind als verbrannt oder illiquide einzustufen? Wie sind sie zu bewerten - zu impliziten Marktpreisen von Beginn der Woche, zu Marktpreisen vor dem Lehman-Zusammenbruch oder noch höher? Je höher die Aktiva bewertet werden, desto größer die Kosten für die Steuerzahler; je näher die Bewertung an den gegenwärtigen Marktkonditionen, desto weniger kann das Hilfsprogramm zur Lösung der Probleme beitragen.

Dann ist zu klären, wer teilnahmeberechtigt ist. Hedgefonds, Beteiligungsgesellschaften, institutionelle Investoren? Und wie will die Regierung ihr neues Portfolio entgiften? Wer, um Himmels willen, ist vertrauenswürdig genug, die notleidenden Vermögenswerte zu managen?

Vielleicht können ja diejenigen, die intelligent und fähig genug waren, die infektiösen Finanzkonstrukte zu entwerfen, jetzt dabei helfen, sie rückabzuwickeln. Es wird sich allerdings kaum vermeiden lassen, dass die Marktteilnehmer, die sich am unverantwortlichsten verhalten haben, schließlich am stärksten entlastet werden. Selbst wenn der Rettungsfonds irgendwie bewerkstelligt, was von ihm erwartet wird, ist das Finanzsystem noch nicht aus dem Schneider. Dazu müsste die Regierung wohl nicht nur die Panzerfaust einsetzen, mit der sie die Zweifel an Fannie Mae, Freddie Mac und American International Group aus dem Weg geräumt hat, sondern wohl eher einen Marschflugkörper.

Das amerikanische Finanzsystem ist massiv überschuldet und unterkapitalisiert. Aber jeder Versuch, das System zu entschulden, führt zu einem Preisverfall bei den Werten, die über Kredite finanziert wurden - am deutlichsten zeigt sich das bei Immobilien, aber es gilt genauso für Aktien und, in dieser irrsinnig verschuldeten Welt, für Risikodarlehen.

Schlimmer noch, ein Großteil der Kredite, mit denen diese Anlagen finanziert wurden, sind kurzfristig. Damit entsteht eine Laufzeit-Diskrepanz, die Krisen geradezu heraufbeschwört. Wenn die Finanzierung nicht prolongiert wird, müssen solide Vermögenswerte auf liquiditätsarmen Märkten zu schmerzhaft geringen Preisen verkauft werden. Die komplexen illiquiden Finanzkonstrukte sind lediglich das besonders giftige Sahnehäubchen auf einem vergifteten Kuchen.

Wenn es durch einen Fonds gelingt, das Tempo des Entschuldungsprozesses von rasend schnell auf moderat zu drosseln, kann das Finanzsystem vielleicht nach und nach zum Gleichgewicht zurückfinden. Aber ein paar hundert Milliarden Dollar an zusätzlichen Federal-Reserve-Mitteln - die Summen, über die gerade gesprochen wird - könnten vielleicht nicht ausreichen, um den Wandel zu bewirken. Die Gesamtverschuldung des amerikanischen Finanzsystems liegt bei 15 Billionen Dollar.

Wenn der Fonds sich als Fehlschlag erweist, steht Uncle Sam vor weiteren schweren Entscheidungen. Eine davon betrifft die Frage, ob die Regierung dem Entschuldungsprozess tatenlos zusehen und zulassen kann, dass das Chaos im Finanzsystem und der gesamten Wirtschaft noch weiter zunimmt. Dass die Regierung sich darauf einlässt, ist unwahrscheinlich, wenn man an die niedrige Schmerzgrenze des Landes denkt.

Also müsste sich die Regierung in diesem Fall noch weiter aus dem Rettungsfenster lehnen. Eine Möglichkeit bestünde darin, die Banken noch stärker abzusichern - entweder indem sie Eigenkapital in die Bankbilanzen pumpt oder indem sie langfristige Darlehen vergibt, um die Inkongruenz bei den Laufzeiten zu beseitigen. Im Endeffekt würde das auf eine Quasi-Verstaatlichung hinauslaufen, ähnlich wie in Schweden in den 1990er-Jahren. Die andere Alternative läge darin, die Zahlungsfähigkeit der Schuldner zu stärken - entweder durch umfangreiche Abschreibungsmöglichkeiten oder durch die Duldung eines deutlichen Inflationsanstiegs, durch den der Schuldendienst für Kreditnehmer leichter wird.

Wenn der Rettungsfonds zum Erfolg wird, wird das Haushaltsdefizit in den USA steigen. Erweist er sich aber als Fehlschlag, dann werden Defizit und Inflation dramatisch zunehmen. Da die Inflation bereits lauert und das Land schon heute international hoch verschuldet ist, wäre eine Entwertung des Dollar die Folge.

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