Finanzkrise
Ein Bärendienst für die UBS

Nach der Krise bei Bear Stearns sieht das frisch aufgefüllte Kapitalpolster von UBS gar nicht mehr so prall aus. Um eine Verwässerung zu vermeiden, wird die schweizerische Großbank ungern noch einmal ihre Hand aufhalten. Aber es wäre klug, als vorbeugende Maßnahme Bares zu sammeln.

Die Krise bei Bear Stearns könnte auch bei der UBS zu neuem Kopfzerbrechen führen. Die schweizerische Großbank hatte scheinbar schon einen geräumigen Korrekturspielraum einkalkuliert, als sie im Dezember mit Investoren aus Singapur und dem Mittleren Osten eine Kapitalspritze über 13 Mrd. Schweizer Franken ausgehandelt hatte. Aber dieses Polster erscheint jetzt gar nicht mehr so prall.

Bis letzte Woche sah es noch ganz so aus, als ob die Schweizer die Oberhand über ihre Engagements über 90 Mrd. Franken bei krisenanfälligen Vermögenswerten wie Subprime-CDOs und Übernahmefinanzierungen hätten. Sicher, der fortgesetzte Rückgang der Marktkurse ließ schon darauf schließen, dass sich weitere Abschreibungen über etwa 15 Mrd. Franken anbahnen, wie Keefe, Bruyette & Woods schätzt. Aber die UBS machte den Eindruck, als ob sie diesen Schlag einstecken und am Jahresende bei einer Kernkapitalquote von soliden 10,6 Prozent herauskommen könnte.

Die Schwierigkeiten von Bear Stearns verändern dieses Bild. UBS sieht besonders anfällig aus für die Preise von „Alt-A“-Vermögenswerten, die Bear angeblich in solch großem Ausmaß zugesetzt haben. Mit „Alt-A” werden Hypothekendarlehen klassifiziert, deren Risikoprofil zwischen erstklassig und zweitklassig liegt. Selbst nachdem die Schweizer Bank in diesem Bereich im vierten Quartal bereits 2,3 Mrd. sfr abgeschrieben hat, ist sie immer noch Alt-A-Vermögenswerten über mehr als 26 Mrd. Franken ausgesetzt. Eine Abschreibung über weitere 25 Mrd. Franken, wie sie Morgan Stanley veranschlagt, könnte die UBS in einer schlimmeren Verfassung zurücklassen als beim letzten Mal, als die Bank mit dem Hut in der Hand vor die Investoren trat.

Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel könnte vielleicht darum herumkommen, seine Hand noch einmal aufhalten zu müssen, wenn Bear keinen allzu großen Domino-Effekt auslöst. Er könnte sich seine Feuerkraft bewahren, indem er, zum Beispiel, für ein weiteres Jahr keine Bardividende auszahlt. Er könnte auch Geld sammeln, indem er Geschäftsbereiche verkauft, doch das braucht Zeit und wird im gegenwärtigen Marktumfeld nicht einfach sein.

Darüber hinaus birgt es einige Gefahren, auf das Beste zu hoffen. Die Aktionäre scheinen sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Die Aktien von UBS waren nach der Kapitulation von Bear am Freitag um 7,4 Prozent gefallen – damit waren die Kursverluste der Bank doppelt so hoch wie bei ihren europäischen Konkurrentinnen. Im frühen Geschäft am Montag erreichten die Abschläge bei UBS elf Prozent. Ihr Marktwert beläuft sich jetzt auf 59 Mrd. Franken, das sind nur zwei Mrd. Franken mehr als bei der Rivalin Credit Suisse. Vor einem Jahr war UBS noch um rund 40 Mrd. Franken größer gewesen.

Jetzt mehr Kapital zu sammeln, würde zwar zu einer Verwässerung führen und daher wahrscheinlich nicht gut bei den Aktionären ankommen. Aber wenn sich tatsächlich Schwierigkeiten abzeichnen, wäre es viel schlimmer, eine Gelegenheit zu verpassen, die Kapitalbasis der Bank zu stützen, bevor andere Banken mit dem Hut in der Hand herumgehen.

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