Finanzkrise
Ein hochseetaugliches Rettungsboot

Nach Plänen des US-Finanzministeriums sollen Banken ein gigantisches Spezialfonds finanzieren, um in Schieflage geratene Kredit-Vehikel zu retten. Der Auffangfonds soll Zwangsverkäufe von Vermögenswerten verhindern und die Spirale der Verluste zwischen den einzelnen Marktbereichen anhalten. Das sind gute Nachrichten – vor allem für Banken, die selbst tief drinhängen.

Nach Plänen des US-Finanzministeriums sollen Banken ein gigantisches Spezialfonds finanzieren, um in Schieflage geratene Kredit-Vehikel zu retten. Der Auffangfonds über 75 Mrd. Dollar soll Zwangsverkäufe von Vermögenswerten verhindern und die Spirale der Verluste zwischen den einzelnen Marktbereichen anhalten. Damit könnte sich der Markt für Commercial Paper wieder öffnen. Das sind gute Nachrichten - vor allem für Banken, die selbst tief drinhängen.

Wie rettet man am besten in Schieflage geratene Kredit-Vehikel? Die Antwort lautet scheinbar: Man schafft ein noch größeres. Mit der Unterstützung des US-Finanzministeriums wollen drei führende Investmentbanken ein Conduit über 75 Mrd. Dollar ins Leben rufen, das die Vermögenswerte jener Vehikel für strukturierte Investments, kurz SIVs, aufkauft, die momentan Schwierigkeiten haben, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Vom Konzept her ist das sinnvoll. Bei SIVs handelt es sich typischerweise um Fonds, die außerhalb der Bilanz laufen und die in forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS), darunter auch Hypotheken, investieren und über den kurzfristigen Markt für Commercial Paper (CP) finanziert werden. Anders als Conduits, die vollständig über Bankengarantien abgedeckt sind, verfügen SIVs normalerweise nur teilweise über Bankbürgschaften. Das bedeutet, dass sie - falls sie finanzielle Schwierigkeiten bekommen, wenn CP-Programme fällig werden und refinanziert werden müssen, - notfalls Vermögenswerte zu Schleuderpreisen abgeben müssen. Das kann einen Domino-Effekt auf die gesamte Bankenbranche ausüben, da andere Halter ähnlicher Vermögenswerte ihre Positionen dem niedrigeren Marktpreis anpassen müssen. Das wiederum kann weitere Verkäufe zu Billigstpreisen in Gang setzen.

Es ist noch nicht klar, wie der Rettungsfonds mit dem nicht sehr viel versprechenden Namen "Single-Master Liquidity Enhancing Conduit (SMLEC)" in der Praxis aussehen wird. Aber die wahrscheinliche Kreditgarantie von insgesamt rund 75 Mrd. Dollar reicht aus, um rund ein Drittel der branchenweit in SIVs investierten Vermögenswerte über geschätzt 250 Mrd. Dollar zu absorbieren. Angenommen, das ist genug, um alle anstehenden Finanzierungsprogramme in nächster Zukunft anzupassen, dann sollte damit ein wichtiges Element der Unsicherheit sowohl vom CP-Markt als auch vom ABS-Markt genommen werden. Falls sich der Markt für Commercial Paper wieder öffnet, stehen die Banken unter weniger Druck, Liquidität sammeln zu müssen, um Garantien zu erfüllen.

In diesem Sinne ist der SMLEC ein willkommener Versuch, die Kreditkrise zu entschärfen, die sich bereits negativ auf die Weltwirtschaft niederschlägt. Doch, wie das bei allen von der Zentralbank gesteuerten Rettungsbooten der Fall ist, ist auch beim SMLEC das übliche Aufgebot moralischer Ungerechtigkeiten mit an Bord. Vorsichtige Banken mit einem minimalen Engagement in SIVs, die gehofft hatten, von Notverkäufen zu profitieren, werden verlieren. Banken aber, die sich auf SIVs gestürzt haben und die am meisten verlieren würden, wenn die Marktpreise weiter nach unten gehen, werden mit ihrer Waghalsigkeit ungestraft davonkommen.

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