Finanzkrise
Merrill Lynch ächzt unter CDO-Strategie

Das Schlimmste kam zum Schluss: Als einzige der führenden Wall Street-Firmen hat Merrill Lynch im turbulenten dritten Quartal Verluste erlitten – eine direkte Folge der Strategie, die der Strategie Bankchef Stan O’Neal eingeschlagen hat. Die Folge ist nun ein Vertrauensverlust, den wieder gutzumachen ein schweres Stück Arbeit werden dürfte.

Das Schlimmste kam zum Schluss: Als einzige der führenden Wall Street-Firmen hat Merrill Lynch im turbulenten dritten Quartal Verluste erlitten. Die Investmentbank hatte sich unter der Führung von CEO Stan O?Neal verstärkt auf dem Hypothekenmarkt engagiert und sich als Spitzen-Konsortialbank für Collateralised Debt Obligations (CDOs) - also für Wertpapiere, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt und mit unterschiedlichen Kreditrisiken behaftet sind - etabliert. Die Bank zahlt für diese Strategie mit Abschreibungen über rund fünf Mrd. Dollar einen hohen Preis. O?Neal hat zwar die Führungsriege in der Abteilung Festverzinsliche und strukturierte Kreditprodukte ausgetauscht. Aber reicht das, um das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen?

Die Dominanz bei CDOs bedeutete, dass Merrill mit größter Wahrscheinlichkeit mit einem Trichter voller Produkte erwischt werden würde, für die sich erst noch ein Käufer finden musste. Zudem musste die Bank bei den Anlagen, die sie schon verkauft hatte, als Marktmacher fungieren. Damit war die Gefahr gegeben, dass illiquide Papiere gekauft werden mussten, und zwar auch dann noch, als sich im Sommer die Kreditkrise manifestierte und die Preise nach unten trudelten.

Das Engagement bei CDOs und Subprime-Hypothekendarlehen sei jetzt bedeutend zurückgefahren worden, sagt Merrill Lynch, ohne den Umfang genauer zu beziffern. Ganz klar zu Tage getreten ist allerdings, dass das Risiko-Management jämmerlich unangemessen war. Deshalb mussten zwei für strukturierte Schuldtitel zuständige Manager gehen, und dieses Versagen ist auch der Grund für die Rating-Agentur Fitch, Merrill mit der Herabstufung ihrer Schuldtitel zu drohen.

Dass sich alle großen Investmentbanken auf Hypothekendarlehen mit zweitklassiger Bonität gestürzt haben, sieht schon nicht allzu clever aus. Wie sich aber herausgestellt hat, sind die CDOs das größere Problem. Während sich im Berichtsquartal per September auch für Merrill die Umstände allgemein ein wenig verbessert haben, sitzen CDOs immer noch auf der Strafbank.

Was bedeutet das für O?Neal? Im Gegensatz zur Leitung von Citigroup hat er in den sauren Apfel gebissen und personelle Konsequenzen gezogen. Und da sein Geschäft größer und breiter aufgestellt ist als das von Jimmy Cayne bei Bear Stearns, kann O?Neal auch überzeugender argumentieren, die Entlassungen seien als Reaktion ausreichend. Aber bei den Aktionären, die seinen strategischen Fähigkeiten bisher vertraut haben, wird er all seine Überredungskunst aufbringen müssen, damit sie es wieder tun.

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