Finanzkrise
Spiel mir das Lied vom Tod

Subprime-Hypotheken, Kreditversicherer, Gewerbeimmobilien: Diese Streifen haben wir doch alle schon einmal gesehen. Aber man spielt sie wieder, da unten in den Abschreibungs-Kinos. Natürlich könnte dieser müde Aufguss auch nur der Vorspann für die nächste Runde von Kassenschlagern sein: Verbraucherkredite und Unternehmensanleihen.

Im Sommer werden die Blockbuster weitergedreht. Doch wieder aufbereiteten Schund gibt es nicht nur in den Kinos. Auch die Banken üben sich im müden Aufguss alter Geschichten. Die Rückkehr der Monolines, Ich weiß, was du mit den Gewerbeimmobilien getan hast und andere Zweit- und Drittverwertungen werden entweder schon wieder gespielt oder sie kommen bald zu Ihnen in ein Investmentportfolio ganz in Ihrer Nähe.

Erzählmaterial, um dieses Garn weiterzuspinnen, gibt es immer noch in Hülle und Fülle. Der niederträchtige Feind namens Subprime Mortgage und sein Partner Derivative Index verbreiten Chaos und Verwüstung, schlachten gnadenlos die Wertpapierkurse ab und untergraben die Kapitalfundamente, die die Liga der Banken aufrecht halten. Jüngst haben sich ihnen auch noch die Monolines angeschlossen, eine düstere Geheimgesellschaft aus abtrünnigen ehemaligen Beschützern, die von den Bond-Versicherern Ambac und MBIA angeführt werden. Da Polizeipräsident Moody ihre „AAA“-Dienstmarken einkassiert hat, sind unsere Helden umso größeren Gefahren ausgesetzt.

Einige der bösen Buben laufen jetzt schon fast seit einem Jahr Amok. Sie richten zwar immer noch viel Schaden an, aber der Schockeffekt hat sich etwas abgenutzt. Andere Genres helfen da auch nicht viel weiter. Das Doku-Drama Wende der Verbindlichkeiten erzählt davon, wie große Banken kleine, aber nützliche Gewinne machen, während ihre eigenen Kredite an Wert verlieren. Aber der Streifen mündet in ein vorhersehbares Ende, das zeigt, was passiert, wenn die Preise wieder steigen.

Dann wäre da noch die Komödie Hedgie - eine Wette auf Abwegen über eine merkwürdige Beziehung zwischen dem Gewerbeimmobilienmakler Commercial Property und seinem auf Baisse-Engagements erpichten Kumpel Short-Seller. In frühen Publikumstests hatte der Film noch wie ein Gewinner ausgesehen, aber die Produktion hat sich hinausgezögert, wodurch noch mehr finanzielles Leid verursacht wird.

Unter den kommenden Attraktionen kündigt sich eine frische Ladung an Horror-Schockern an: Das Verbraucherkreditmassaker und Freitag der 13.: Unternehmen im Zahlungsverzug. Da die großen Finanzsponsoren mit Gesamtverlusten von etwa einer Bill. Dollar rechnen müssen, bedeutet das wahrscheinlich, dass der Refrain der Investoren im kommenden Sommer ganz ähnlich klingen könnte wie der matte Klagegesang, den sie derzeit ertönen lassen: Haben wir den Film nicht schon mal gesehen?

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